In Ägypten wächst die Spannung wegen Allianz von Türkei und Sudan

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Januar ist Ägyptens kältester Monat, was die Temperaturen angeht, aber die Dinge heizen sich dort schnell auf über das neue Kooperationsabkommen der Türkei mit Sudan, schreibt das Fachportals al-Monitor. Das afrikanische Land übergibt der Türkei die Suakin-Insel im Roten Meer.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagt, dass die Türkei nur plant, die Insel zu renovieren und die osmanischen Relikte wiederherzustellen. Aber Ägypten, wie auch Saudi-Arabien, befürchten, dass Ankaras Pläne viel weiter gehen und eine Militärbasis mit einschließen. Eine solche Militärbasis würde die nationalen Sicherheitsstrategien beider arabischer Staaten komplett aus dem Konzept bringen.

„Die Suakin-Insel programmiert Ärger in Ägypten vor, weil das Abkommen zweideutige Ziele verfolgt und weil es Spannungen zwischen den Parteien, die das Abkommen unterzeichnet haben, und Ägypten gibt“, sagte Generalmajor Kamal Amer, der Leiter des Nationalen Verteidigungs- und Sicherheitsausschusses des ägyptischen Parlaments, gegenüber dem Nachrichtenportal al-Monitor.

Amer bezog sich auf den ägyptisch-sudanesischen Territorialstreit um das Halayeb- und Shalateen-Dreieck und die Position des Sudan gegen Ägypten in Kairos Auseinandersetzung mit Äthiopien über den Grand Ethiopian Renaissance Wasserdamm. Was die Türkei anbelangt, so misstraut Ägypten der Unterstützung Ankaras für die Muslimbruderschaft, die das Regime von Putschgeneral Abdelfattah el-Sisi als terroristische Vereinigung betrachtet.

Türkei wird Marinestützpunkt an Sudans Küste im Roten Meer bauen

Laut dem Nachrichtenportal Ashaq al-Awsat gehört Äthiopien, das in einen Streit mit Ägypten über die Nilgewässer verwickelt ist, mehr oder weniger zur Allianz Türkei-Katar-Sudan.

Amer hielt kein Blatt vor den Mund, wenn es um die Regierungswahrnehmung des Suakin-Abkommens geht. Er behauptete:

„Ägypten hat in seinem Besitz den Beweis, dass hinter dem Deal über der Insel türkische militärische Zwecke stecken. Die Türkei hat mehrere Militärstützpunkte in Afrika errichtet. Um seine Sicherheit zu wahren, wird Ägypten den Bau einer türkischen Militärbasis[im Sudan]nicht zulassen.“

Bei seinem Besuch im Sudan Ende Dezember unterzeichnete Erdogan 13 Entwicklungsabkommen, die einen Hafen und Werften für militärische und zivile Schiffe im Roten Meer, ein Krankenhaus, eine Freihandelszone in Port Sudan, Getreidesilos an verschiedenen Orten, eine Universität, Kraftwerke und einen neuen Flughafen für die Hauptstadt Khartum umfassen.

Türkei zieht Schlinge um Ägypten zu

Der sudanesische Präsident Omar al-Bashir sagte, es gebe andere Pläne für die Insel, über die er später sprechen wird.

Tarek Fahmy, Professor für Politikwissenschaft an der American University in Kairo, sagte zu Al-Monitor, dass Ägypten besorgt ist, weil die Türkei bereits ihren Wunsch bekundet habe, eine militärische Präsenz in der Region aufzubauen, indem sie kürzlich eine Basis in Somalia eröffnete. Ägypten befürchtet, dass die Türkei plant, die Insel zu nutzen, „um die Schlinge um den Hals Ägyptens zu spannen, da die Insel nahe der ägyptischen Grenze liegt“, sagte er.

Kairo dürfte das Suakin-Abkommen als indirekte Erklärung eines türkisch-sudanesischen Bündnisses gegen Ägypten betrachten. Die Spannungen zwischen dem Sudan und Ägypten eskalierten so weit, dass das sudanesische Außenministerium seinen Botschafter in Kairo zur Konsultation am vierten Januar zurückrief. Der Sprecher des ägyptischen Außenministeriums, Ahmed Abu Zeid, sagte:

„Eine ganzheitliche Bewertung der Situation findet statt und wird einer entsprechenden Maßnahme Ägyptens vorausgehen.“

Er behauptete, Kairo hätte Optionen, um Sudan und Türkei in die Enge zu treiben. Nach Abstimmung mit den Vereinigten Arabischen Emiraten sind am vierten Januar ägyptische Truppen in Eritrea eingetroffen, berichtete das Nachrichtenportal Al Sharq. Die Streitkräfte sind mit moderner Technik und schweren gepanzerten Fahrzeugen bewaffnet. Quellen berichteten Al Sharq, dass ein Treffen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten, Ägypten und der sudanesischen Opposition, die Gruppen in Darfur und Ostsudan vertritt, einberufen wurde.

Strategische Expansion in Ostafrika: Türkei schließt mit Sudan umfassende Abkommen

„Ägypten ist in der Lage, die türkischen Aktionen mit verschiedenen Mitteln abzuschrecken, einschließlich der Stärkung der Beziehungen zu den afrikanischen Ländern, um die Türkei daran zu hindern, die Lücke zu schließen, und die ägyptische Armee in Erwartung jeglicher Bedrohung zu entwickeln, um ein Machtgleichgewicht in der Region herbeizuführen“, stellte Zeid fest.

Ägyptens Medien haben den Suakin-Deal massiv kritisiert. Der Journalist Emad Eddin Adeeb schrieb in einem Artikel vom 25. Dezember, dass der Sudan der Türkei schlichtweg die Erlaubnis erteilt hat, eine militärische Marinebasis „für Verteidigung, Ausbildung und Waffenlagerung“ zu errichten.

„Es wird über türkische Firmen gebaut und wird vollständig von Katar finanziert“, sagte er voraus und gab damit das wieder, was viele spekuliert haben.

Dass das Osmanische Reich seine Flotte in Suakin stationiert hat, ist an Ägypten nicht vorbei gegangen.

Die türkischen und sudanesischen Stabschefs haben sich darauf geeinigt, die militärische Zusammenarbeit auszubauen. In seiner „Facts and Secrets“-Show vom 28. Dezember sagte Mustafa Bakri, dass der Deal „entworfen wurde, um eine türkische Präsenz gegenüber den ägyptischen Schiffen zu gewährleisten“.

Sudan verteidigt Abkommen gegen ägyptische Kritik

Als Reaktion auf die scharfe Kritik der ägyptischen Medien an dem Deal erklärte der sudanesische Außenminister Ibrahim Ghandour am 26. Dezember:

„Wir kümmern uns nicht um die zustimmenden oder ablehnenden Reaktionen. Es überrascht mich, wie einige der ägyptischen Medien reagiert haben, aber wir glauben nicht, dass alle Ägypter auf der gleichen Seite sind. Offensichtlich gibt es einige, die nicht verstehen, wie die Beziehungen zwischen den Staaten gehandhabt werden.“

In einem Interview mit dem offiziellen türkischen Staatsfernsehen TRT Al-Arabiya vom 29. Dezember sagte Ghandour, dass einige Ägypter „die Tatsache ignorieren, dass ein starkes Sudan wichtig für ein starkes Ägypten ist“.

Die saudische Presse hat auch den Suakin-Deal angegriffen. Die Tageszeitung Okaz veröffentlichte einen Artikel vom 27. Dezember, der besagt, dass der Sudan der türkischen „Umarmung“ erlegen ist. Die Geschichte verdeutlichte die immensen Ambitionen der Türkei in Afrika und stellte fest, dass sich die Türkei mit der neuen Militärbasis, die sie im September in Somalia eröffnet hatte, nicht zufrieden gegeben hat.

Samia Rafla vom parlamentarischen Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten sagte, dass der Ausschuss eine wichtige Sitzung über die Suakin-Vereinbarung abhalten wird, berichtete Ägyptens Dostor.org am 6. Januar.

Im Laufe des Jahres 2017 versuchte Ägypten, eine afrikanische Lobby zu gründen, um seine Position in Äthiopiens Renaissance-Staudamm-Frage zu verteidigen. Ägyptische Experten behaupten, dass der Staudamm den Zugang Kairos zu 55,5 Milliarden Kubikmeter Nilwasser beeinträchtigen wird. Äthiopien besteht jedoch darauf, dass das Projekt einen positiven Effekt haben wird, indem es Ägypten und den Sudan bei der Stromerzeugung unterstützt.

Mit dem Bau des Staudamms wurde im Jahr 2011 begonnen. Es liegt 15 Kilometer östlich der äthiopisch-sudanesischen Grenze und war eine der Hauptursachen für die politischen Spannungen zwischen Ägypten und Äthiopien. Im Stausee des Staudamms sollen 70 Milliarden Kubikmeter Wasser gespeichert werden, was dazu beitragen wird, Äthiopiens eigene Energieengpässe zu beheben. Der Staudamm wird nach seiner Inbetriebnahme das größte Wasserkraftwerk Afrikas darstellen.



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