Analyse: Nach el-Bab in Syrien wird Türkei Befreiung Mosuls im Irak vorantreiben

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Die Türkei möchte die Terrormiliz „Islamischer Staat“ endgültig zurückdrängen und entstehendes Vakuum auf keinen Fall der kurdischen YPG oder im Irak pro-iranischen Schiiten-Milizen überlassen. Die Türkei könnte sich zunächst auf Syriens el-Bab fokussieren und sich zeitgleich für die Beteiligung eigener Sunniten-Milizionäre bei der Befreiung von Mosul einsetzen. Der türkische Analyst Murat Yesiltas ist von der Durchsetzungsfähigkeit Ankaras überzeugt.

Es ist nun einen Monat her seit die Türkei die Operation „Schutzschild Euphrat“ startete, um ihre syrische Grenzregion von der Terrormiliz „Islamischer Staat“ zu befreien. Die Intervention ermöglichte, dass ein Raum von 100 Kilometer zwischen Azez und Dscharablus mit der Eröffnung einer zweiten Front in al-Rai freigekämpft werden konnte. Die türkischen Streitkräfte und pro-türkische FSA-Elemente rücken dieser Tage gen Syrien auf Dabiq vor.

Die Bekämpfung des IS könne allerdings nicht allein mittels der Operation „Schutzschild Euphrat“ bekämpft werden. Es müssen Schritte in Richtung der IS-Hochburgen Rakka und Mosul gegangen werden, argumentieren engste Sicherheitskreise in der türkischen Regierung. Die USA baten die Türkei, diesen Operationen beizuwohnen, schreibt die türkische Tageszeitung Sabah. Andere Analysten glauben, die Türkei dränge sich auf, um den IS nach Jahren des Chaos endgültig zu zerschlagen. Beim Besuch des türkischen Präsidenten in New York anlässlich einer UN-Generalversammlung wird sich Erdogan mit US-Präsident mutmaßlich konkret über neue Schritte gegen den IS austauschen.

Es scheint so, als wenn die Operationen weiter südlich von al-Rai anhalten. Die Türkei möchte offenbar definitiv auf die strategisch wichtige Stadt el-Bab vorrücken. Der Verlust der Stadt wird den IS in der Provinz Aleppo nicht nur nachhaltig schwächen, sondern auch der kurdischen YPG einen endgültigen Rückschlag verpassen. Diese ist nach wie vor in der östlich gelegenen Stadt Manbidsch präsent. Im sicherheitspolitischen Mainstream Ankaras herrscht die Meinung vor, wenn die YPG, der syrische Ableger der PKK, nicht aus der Stadt abzieht, nachdem auch die USA diese dazu drängten, könnten die Operationen auf diesen Raum ausgeweitet werden.

Die türkische Journalistin Nagehan Alci glaubt nicht, dass Ankara mit seinen Truppen dann tiefer in Syrien einrücken werde. Der Türkei-Analyst Aaron Stein hinterfragt, ob die Türkei überhaupt auf el-Bab vorrücken werde. Alci argumentiert, dass eine türkische Offensive auf Rakka keine strategischen Vorteile für die Türkei ergeben werde. Ankara ist dennoch bereit, den Operationen zur Unterstützung der Befreiung von Rakka mit Luftunterstützung beizuwohnen. Die Voraussetzung ist, dass die kurdische YPG aus der Offensive ausgeschlossen wird.

Stattdessen sieht es so aus, als wenn sich Ankara verstärkt auf die Befreiung der irakischen Metropole Mosul fokussiert. In Mosul möchte Ankara nicht an der Spitze einer Offensive stehen. Die Türkei trägt mit umfassender Unterstützung zu den Bodentruppen bei, die die Offensive starten werden.

Der Professor des in Ankara-ansässigen Think Tanks SETA, Murat Yesiltas, informierte, die Türkei habe rund 3,000 Haschdi Watani-Kämpfer, eine Sunniten-Miliz, und 3,000 weitere kurdische Peschmerga zur Befreiung von Mosul eigens ausgebildet. Damit stellt die Türkei über ihre Militärpräsenz in der irakischen Stadt Baschika der Anti-IS-Koalition rund 6,000 Kämpfer zur Verfügung.

Die Türkei ist mannigfaltig über die Offensive auf Mosul besorgt, so Yesiltas:

„Erstens möchte sie verhindern, dass die pro-iranische Schiiten-Miliz Haschdi Schaabi die Offensive an der Seite der irakischen Armee anführt. Ankara möchte nicht, dass Schiiten-Kämpfer sektiererische Konflikte anheizen. Die PKK, die eine starke Präsenz im Sindschar-Gebiet genießt, soll isoliert werden. Ankara möchte der PKK einen Riegel vorschieben, den Kampf gegen den IS als Vorwand für die Eroberung von neuem Territorium zu missbrauchen. Schließlich sieht sich die türkische Regierung in Verantwortung die Zukunft der Bevölkerung Mosuls mitzubestimmen. Die Türkei möchte die Balance zwischen Arabern und Kurden sowie Sunniten und Schiiten sicherstellen. Der Kampf um Mosul wird die Gänze der Region beeinflussen, auch die Türkei.“

Für Yesiltas ist die Türkei stark genug, um das Schicksal der Mosul-Operation aktiv mitzubestimmen, wenn sie ihre Stärke deutlich mache.

 



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