Energiepolitik: Russland brauch die Türkei mehr als andersherum

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Für Russland hat das Turkish Stream-Erdgasprojekt eine geopolitische Dimension. Für die Türkei wäre die Realisierung des Projekts nur aus ökonomischen Erwägungen interessant. Das hat der Politologe und Professor der Abteilung für Internationale Beziehungen der in Ankara ansässigen TOBB-Universität für Wirtschaft und Technologie, Togrul Ismayil, am 20. Juni gesagt.

„Die Türkei ist der zweitgrößte Erdgasimporteur Russlands nach Deutschland. Der Import bringt Russland jährlich neun Milliarden US-Dollar ein“, sagte Ismayil. Er glaubt, die Verbesserung der belasteten Beziehungen zwischen Russland und der Türkei sei allerdings von Moskaus Haltung abhängig. Die Türkei führte keine Sanktionen gegen Russland ein, obwohl Moskau den Luftraum der Türkei verletzte“, sagte der Experte.

Die Beziehungen zwischen der Türkei und Russland verschlechterten sich nach dem Abschuss eines russischen Bombers durch die türkische Luftwaffe im November 2015 dramatisch. Daraufhin unterschrieb Russlands Präsident Wladimir Putin ein Dekret über den Beschluss von Wirtschaftssanktionen gegen die Türkei.

In diesem Zusammenhang glaubt Ismayil, dass die Türkei nicht einfach nur im Interesse der Verbesserungen der Beziehungen auf das Turkish Stream-Erdgasprojekt spekulieren werde. Das Turkish Stream-Projekt habe vor allem für Moskau eine geopolitische Bedeutung. „Die Türkei hingegen wird sich dem Projekt ausschließlich aus ökonomischen Interesse nähern“, fügte er hinzu.

Am 1. Dezember 2014 wurde zuvor das South Stream-Erdgasprojekt, welches Energie über Bulgarien nach Europa transportieren sollte, auf Druck der EU eingestellt. Daraufhin stellte Moskau ein neues Pipeline-Projekt in die Türkei vor, welches Ende 2015 vorerst auf Eis gelegt wurde.

(Bildquelle: M. Großmann/ PIXELIO)



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