Türkei und Frankreich stärken Beziehungen mit Abkommen für Raketenprogramm

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Der türkische Präsident Erdoğan hat bei seinem Staatsbesuch in Frankreich eine Studie bei Eurosam für die Herstellung eines Langstrecken-Luftabwehrraketensystems in Auftrag gegeben. Beide Staaten wollen trotz Stillstand bei der türkischen EU-Mitgliedschaft eng zusammenarbeiten.

Erdoğans Besuch in Frankreich am Freitag war ein außerordentlicher Schritt zur Stärkung der Bemühungen der Türkei, ihre Luftverteidigung zu verbessern und die Entwicklung neuer Systeme zu beschleunigen. Die Verhandlungen in Frankreich brachten eine engere Verteidigungszusammenarbeit mit Frankreich und Italien mit sich.

Die Türkei beauftragte das französisch-italienische Konsortium Eurosam und seine türkischen Partner Aselsan und Roketsan mit der Entwicklung und Produktion eines Langstrecken-Luftraketensystems.

Eurosam, der industrielle Hauptauftragnehmer und Systemdesigner für die Entwicklung, Produktion, Vermarktung und den Vertrieb einer Reihe von Mittel- und Langstrecken-Marine- und Bodenabwehrraketen, kündigte am Rande eines Treffens in Paris zwischen Erdoğan und dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron an, dass die Zusammenarbeit den Grundstein für einen Entwicklungs- und Produktionsvertrag legen wird. Das Drei-Länder-Raketenprogramm soll bis Mitte des nächsten Jahrzehnts fertig sein, um sich gegen Bedrohungen durch Tarnkappenflugzeuge, Drohnen und Raketen zu schützen. In einer Erklärung sagte Eurosam:

„Die gemeinsame Entwicklungsaktivität wird voraussichtlich das türkische Luftfahrt- und Raketenentwicklungsprogramm unterstützen und darüber hinaus Perspektiven für Exporte und eine längerfristige Zusammenarbeit zwischen der Türkei, Italien und Frankreich eröffnen.“

Entwicklung von Verteidigungssystemen ein Erfolg der Türkei gegen Terrorgruppen

Eurosam wird in den folgenden 18 Monaten eine Studie zur Entwicklung der Aster 30-Rakete aufsetzen und eruieren, wie die europäische Flugabwehrrakete in die türkische Armee integriert werden kann.

Das Eurosam-Konsortium, das im Juni 1989 von drei großen europäischen Luft- und Raumfahrtunternehmen gegründet wurde, besteht aus dem europäischen Raketenhersteller MBDA, einem Joint Venture zwischen Airbus und dem italienischen Leonardo und dem britischen BAE Systems, und dem französischen Rüstungskonzern Thales, dessen Hauptaktionäre der französische Staat und Kampfjethersteller Dassault Aviation sind.

Auf der gemeinsamen Pressekonferenz hob Erdoğan die jahrhundertelangen bilateralen Beziehungen zwischen der Türkei und Frankreich hervor. Er sagte, dass die Treffen im Rahmen des Besuchs zu einer Reihe von Wirtschafts-, Handels- und Verteidigungsabkommen führten. Das Treffen stärkte die bilateralen Beziehungen.

„Das Eurosam-Abkommen ist ein sehr wichtiger Schritt. Als zwei Mitglieder der NATO sind wir entschlossen, unsere Zusammenarbeit zu erweitern“, sagte der Präsident und fügte hinzu, dass das NATO-Mitglied Italien ebenfalls Mitglied des Abkommens ist.

„Jetzt ist es an der Zeit, sofort auf die Vereinbarung zu reagieren und den Prozess zu beschleunigen, um die Produktion zu starten“, sagte Erdoğan.

Eurosams Boden-Luft-Flugkörper-Plattform/Terrain (SAMP/T) Aster 30 Langstrecken-Boden-Luft-Flugkörper-Systeme (SAM) sind bereits in mehreren NATO-Mitgliedsstaaten im Einsatz.

Am achten November unterzeichnete die Türkei ein Vorvertrag mit Eurosam. Der Vertrag wurde vom türkisch, italienischen und französischen Verteidigungsminister im NATO-Hauptquartier in Brüssel beschlossen.

Türkei entwickelte bereits Kurz- und Mittelstrecken-Luftabwehr

Die türkischen Unternehmen Aselsan und Roketsan haben das Kurzstrecken-Luftabwehrraketensystem HİSAR-A und das Mittelstrecken-Luftabwehrraketensystem HİSAR-O entwickelt. Eigenen Angaben zufolge stützen sich die Hersteller auf nationale Ressourcen, um die Anforderungen der türkischen Landstreitkräfte an die Luftverteidigung in niedriger und mittlerer Höhe zu erfüllen. Das Hisar-A wird bis 2020 fertiggestellt sein, und der Prototyp des Mittelstrecken-Verteidigungssystems wird bis 2021 fertiggestellt sein.

Macron äußerte, dass er und Erdoğan Diskussionen über das Kernkraftwerk Sinop führten. Das zweite Kernkraftwerk der Türkei soll von einem französisch-japanischen Konsortium in Sinop am Schwarzen Meer gebaut werden.

Gemäß der Vereinbarung wird die Turkey Electricity Generation Company (EÜAŞ) einen Anteil von 49 Prozent an der Anlage halten, während die japanische Firma MHI und Frankreichs Engie einen Anteil von 51 Prozent halten werden. Laut japanischen Quellen wird das Projekt schätzungsweise mehr als 16 Milliarden US-Dollar kosten. Das Kernkraftwerk Sinop wird über eine Stromerzeugungskapazität von 4.480 Megawatt mit vier Reaktoren mit je 1.120 Megawatt verfügen.

Frankreich unterstützt Kampf gegen PKK

Sowohl Präsident Recep Tayyip Erdoğan als auch der französische Präsident Emmanuel Macron erklärten, dass die beiden NATO-Verbündeten eine „beispielhafte Zusammenarbeit bei der Terrorismusbekämpfung“ vorgeschlagen hätten, unter anderem im Hinblick auf die Herangehensweise an Fragen und Entwicklungen im Zusammenhang mit Syrien. In Bezug auf Terrorismusbekämpfung und Flüchtlingsfragen sagte Erdoğan, dass die Türkei ihre entschlossene Haltung gegenüber Daesh in Syrien beibehalten wird, fügte aber hinzu: „Ich rufe alle unsere Freunde auf, nicht mit der syrischen Schwesterorganisation der PKK-Terrororganisation PYD[Partei der Demokratischen Union] und YPG[Volksschutzeinheiten] zusammenzuarbeiten“. Macron fügte hinzu, dass sein Land bereit sei, mit der Türkei zusammenzuarbeiten, um einen friedlichen Übergang in Syrien in der Zeit nach dem Ende der Daeesch-Zeit zu finden.

Türkisch-französischer Handel

Frankreich ist der sechstgrößte Handelspartner der Türkei, sowohl bei den Importen als auch bei den Exporten. Nach Angaben des Türkischen Statistischen Instituts (TurkStat) belief sich der bilaterale Handel zwischen der Türkei und Frankreich im Jahr 2015 auf 13,3 Milliarden US-Dollar, darunter 6 Milliarden US-Dollar für türkische Ausfuhren nach Frankreich und 7,3 Milliarden US-Dollar für Einfuhren in die Türkei. Die Daten der türkischen Exporteure zeigen, dass die türkischen Exporte nach Frankreich im Jahr 2017 insgesamt 6,3 Milliarden US-Dollar betrugen. Bezogen auf den bilateralen Handel sagte Erdoğan, dass die beiden Länder ihr Handelsvolumen auf 20 Milliarden Euro steigern wollen.

„Sobald die Türkei und Frankreich zusammenarbeiten, ist es möglich, diese Zahl im bilateralen Handel zu erreichen“, lockte das türkische Staatsoberhaupt. Um 20 Milliarden Euro im bilateralen Handel zu erreichen, müssten Minister und Staatsorgane enger kooperieren.

Macron betonte die starken wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der Türkei und Frankreich. Er sagte, dass beide Parteien vereinbart haben, den bilateralen Handel zu verstärken, beginnend mit 5.700 Tonnen Rotfleischexporte in die Türkei.

Zu den wichtigsten Exporten aus der Türkei nach Frankreich gehören Straßenfahrzeuge, Bekleidung und Zubehör, elektrische Maschinen und Geräte. Zu den wichtigsten Importen aus Frankreich in die Türkei gehören Flugzeuge, Eisen- und Stahlerzeugnisse sowie Autoteile.

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Gegenwärtig sind in der Türkei 1.366 Unternehmen mit französischem Kapital in den Bereichen Kosmetik, Energie, Nahrungsmittel, Banken, Versicherungen, verarbeitende Industrie und Automobilindustrie tätig. Frankreich liegt bei der Zahl der ausländischen Unternehmen, die in der Türkei tätig sind, an zehnter Stelle. Von 2002 bis Oktober 2017 beliefen sich die französischen Direktinvestitionen in der Türkei auf 6,9 Milliarden US-Dollar. Frankreich liegt bei den ausländischen Direktinvestitionen in der Türkei an neunter Stelle, während 47 türkische Unternehmen mit einer Investition von 750 Millionen Dollar in Frankreich tätig sein sollen. Die türkischen Unternehmen konzentrieren sich hauptsächlich auf Energie, Möbel und Ausrüstungen, Textilien und Bekleidung, Transport, elektrische Maschinen und Geräte, Finanzen, Kunststoffprodukte, Lagerung, Logistik, Dienstleistungen (Restaurierung, Reparatur und Renovierung), chemische Produkte (Verpackung), Herstellung von Automobilteilen, Vermarktung von Agrar- und Nahrungsmitteln, Glas und Keramik.

Darüber hinaus haben die türkische Exportkreditbank (Türk Eximbank) und Bpifrance Assurance Export am Freitag in Frankreich einen umfassenden Kooperationsvertrag unterzeichnet.

Mit Blick auf eine türkische EU-Mitgliedschaft zeigte sich Macron skeptisch, was der Türkei zunehmend auch weniger am Herzen zu liegen scheint. „Für die Beziehungen zur Europäischen Union ist klar, dass die jüngsten Entwicklungen und Entscheidungen keinen Fortschritt in diesem Prozess zulassen“, sagte Macron.

„Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass wir neue Kapitel eröffnen könnten“, sagte er in Bezug auf den Beitrittsprozess.



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