Griechenland: In Athen wird erste Moschee gebaut

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Griechenlands Parlaments hat am Donnerstag den Bau einer Moschee im Zentrum der Stadt Athen beschlossen. Der Moschee-Bau wird unter dem Eindruck der Flüchtlingskrise innerhalb der Regierungskoalition und in der griechischen Gesellschaft kontrovers diskutiert.

Das Parlament nahm den Vorschlag mit 206 gegen 24 Stimmen an. Zuvor versuchte die im Land einflussreiche orthodoxe Kirche, die Errichtung einer Moschee wiederholt zu verhindern.

Die regierende linksgerichtete Syriza-Partei unterstützt das 950,000 Euro teure Projekt. Der rechtspopulistische Koalitionspartner, die „Unabhängigen Griechen“, stellte sich dagegen.

Zehntausende muslimische Migranten leben inzwischen im Großraum von Athen. Sie nutzen informelle Gebetsräume, um ihren muslimischen Verpflichtungen nachzukommen. Die Gebetsräume finden sich in Kellern oder ehemaligen Läden der heruntergekommenen Nachbarschaften wieder. Laut einer Studie des PEW Research Centers leben in Griechenland rund 500.000 Muslime, die ethnisch mehrheitlich Türkisch geprägt sind. Damit kommen die Muslime in Griechenland auf 4,7 Prozent der Gesamtbevölkerung. Die Zahl der Muslime in Griechenland stieg im Zuge der Flüchtlingskrise vergangenes Jahr weiter an, heißt es.

Der syrische Migrant Ahmet Haliz Hassan, der in einem Athener Gebetsraum befragt wurde, vermutet, die griechische Regierung hielt das Projekt über ein Jahrzehnt gezielt zurück. „Diese Frage kam zuvor mehrmals auf, doch wurde sie immer wieder gestoppt. Ich glaube diesmal wird es die Regierung umsetzen“, sagte Hassan, der in Griechenland seit über 30 Jahren lebt.

Der vorgeschlagene Ort für die neue islamische Gebetsstätte befindet sich am Rande der Stadt Athen in einem überwiegend industriell geprägten Viertel. Unweit findet sich ein von den Vereinten Nationen unterhaltenes Flüchtlingscamp wieder.

Religionsminister Nikos Filis sprach sich indes für den Moschee-Bau aus. Er argumentierte, Griechenland sollte die Fehler anderer europäischer Politiker vermeiden und Migranten in die Mehrheitsgesellschaft integrieren. Andrerseits laufe man Gefahr, dass die Migranten von extremistischen Ideologien beeinflusst werden könnten.

„Es steht wie ein Elefant im Raum: Europa hat nicht akzeptiert, dass der Islam eine Realität ist“, sagte er bei einer Rede im Athener Parlament. „Die Existenz von improvisierten Moscheen in Athen ist eine Schande für unser Land“.

Die rechtsextreme Partei Goldene Morgenröte sprach sich gegen das Moschee-Projekt aus. „Wir werden es nicht erlauben. Die Goldene Morgenröte wird alles in ihrer Macht stehende tun, um das zu stoppen“, sagte der Parlamentsabgeordnete Yiannis Lagos.

(Bildquelle: Flickr/ rachaelvoorhees CC BY-SA 2.0)

 



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