Interview: DITIB-Spionage-Anschuldigung zerstört Vertrauen unter deutschen Muslimen

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Im Exklusiv-Interview mit Eurasia News warnte der Generalsekretär der AKP-nahen deutsch-türkischen Interessenvertretung UETD, Bülent Bilgi, angesichts der fragwürdigen Spionage-Affäre in deutschen Moscheen vor einem schweren Vertrauensverlust unter Muslimen und insbesondere Türken gegenüber deutschen Behörden. Diese wollen „beweislos eine der wichtigsten muslimischen Institutionen des Landes zerschlagen“.

Seit Wochen schlagen Presse und Politik auf die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion, kurz DITIB, ein. Welches Ziel könnten Bundesbehörden verfolgen, wenn sie der wichtigsten muslimischen Institution Deutschlands Spionage im Namen der Türkei vorwerfen?

Die Behörden scheinen es kurzum auf die Zerschlagung von DITIB abgesehen zu haben. Das Religionsinstitut, was unter der Aufsicht des staatlichen Präsidiums für Religionsangelegenheiten der Türkei, auch Diyanet genannt, steht, leistet seit Jahrzehnten in der Bundesrepublik hervorragende Integrationsarbeit. In diesem Zusammenhang muss erwähnt bleiben, dass sich DITIB vor allem den entsprechenden Behörden auf Bundes-, Landes und Kommunalebene als verantwortlicher Ansprechpartner präsentiert. Das alles findet heute keine Anerkennung in Berlin. Vielmehr ist man darauf fokussiert, diese Institution zu untergraben.

Sucht man die Nadel im Heuhaufen, wenn es darum geht, DITIB an den Pranger zu stellen?

Besonders makaber wirkt, dass die gleichen Politiker auf Kommunal- und Landesebene, die noch vor Jahren auf Wählerstimmenjagd in DITIB-Moscheen gehen, heute zu den Kreisen gehören, die DITIB in die Enge treiben. In Deutschland existieren rund 1.000 Gemeinden. Und die deutsche Politik pickt sich vier Imame heraus, die Gülen-Mitglieder ausspioniert haben sollen, was noch nicht einmal nachweislich bestätigt werden konnte. Der gesamte Fall erscheint in der Rückschau fragwürdig.

Was werfen sie deutschen Politikern im Rahmen der DITIB-Spionage-Affäre vor?

Die Frage, die ich gerne an die deutsche Politik stellen möchte, ist: Wo waren diese Spitzenpolitiker in den Jahren zuvor? Wenn DITIB systematisch in Deutschland Spitzelarbeit betreibt, dann muss auch dieser Frage nachgegangen werden. Entweder haben die ihre Arbeit nicht gemacht oder noch schlimmer, sie wussten es, verschwiegen es und kommen erst heute mit der mutmaßlichen Wahrheit raus. Auf diese Weise zerstören die verantwortlichen nur das gesellschaftliche Vertrauen in den Rechtsstaat.

Gibt es in Deutschland eine institutionelle Alternative für die Arbeit, die DITIB hierzulande verrichtet?

Nein, die gibt es nicht. Deutschland hat der Türkei und damit auch DITIB zu verdanken, dass es keine breite salafistische oder anders radikale Szene gibt. Das ist zum Großteil der Beitrag von DITIB. Diese Institution arbeitete seit Jahrzehnten erfolgreich in der muslimischen Szene Deutschlands und schafft es, die diversen Strömungen entlang islamischer Vorstellungen mit Erfolg in die Gesellschaft zu integrieren.



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