Irak: Von der Türkei ausgebildete Sunniten-Miliz bewährt sich gegen „Islamischen Staat“

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Sunnitisch-arabische Stammeskämpfer, die von der türkischen Armee auf der Militärbasis Baschika im Nordirak ausgebildet wurden, haben ihr Stehvermögen auf dem Schlachtfeld gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ bewiesen. Das sagte ein US-Militärsprecher am Mittwoch.

Im Gespräch mit Reportern in Bagdad betonte Oberstleutnant Brett Sylvia, Kommandeur bei der Beratungs- und Begleitungsmission der US-geführten Anti-IS-Koalition im Irak, dass von der Türkei ausgebildete Kräfte bewiesen haben, „im Rücken der irakischen Armee ihre Stellungen halten zu können“.

„Nachdem die 16. irakische Militärdivision in einigen Orten eingerückt ist und diese Gebiete vom IS befreite, war die Division in der Lage, einige Stammeskämpfer rein zu schicken, die Infiltrierungen des IS verhinderten“, informierte der US-Offizier über die Nineve-Garde, die dem sunnitischen Politiker Asil Nudschaifi untersteht und von den türkischen Streitkräften im Irak aufgebaut wurde.

Die Trainingsmission in Baschika 30 Kilometer nordöstlich von Mosul, die in der Vergangenheit zu bilateralen Spannungen zwischen Ankara und Bagdad führte, hält an. Sie wird voraussichtlich erst dann eingestellt, wenn der IS aus dem Irak zurückgedrängt wurde.

Die von den türkischen Streitkräften (TSK) ausgebildeten Kräfte zog Bagdad inzwischen zu „lokalen Stammeskräften zusammen, die eroberte Gebiete als Sicherungseinheiten abschirmen“, informierten die USA zuvor.

Eine westliche Militärquelle, die namentlich unerwähnt bleiben möchte, erklärte Eurasia News hinsichtlich der Funktion von Sicherungseinheiten im Konflikt gegen den IS:

„Zahlreiche Ethnien und Konfessionen, die über die Jahre vom IS geschädigt wurden, sind ganz erpicht darauf, zur Bekämpfung der Terrormiliz beizutragen. Darunter fallen christliche, jesidische und sunnitische Stammesmilizen.“

Diese Einheiten sind allerdings für eine Frontbeteiligung ungeeignet. Die westliche Militärquelle fügte hinzu:

„Wir haben uns kleinere ‚Manöver‘ dieser Milizen angeschaut und kamen sehr schnell zu dem Schluss, dass die Einheiten bei einem Fronteinsatz sehr binnen kürzester Zeit aufgerieben werden. Rauslassen wollte man sie auf keinen Fall, da man die Befreiung vom IS als Angelegenheit aller Iraker ansieht. Also hat man sich darauf geeinigt, dass sie die befreiten Dörfer absichern sollen. In jedem Fall sind diese Milizen von einem Sicherungsring der irakischen Armee und an drei Stellen von den kurdischen Peschmerga abgesichert. Die Sunniten stellen in anderen Worten eine Miliz mit polizeilichen Aufgaben dar.“

Während irakische Politiker in der Vergangenheit fordern, dass die türkischen Truppen aus dem Irak abziehen müssen, obwohl sich diese bei der Bekämpfung des IS aktiv beteiligen, betont die Türkei wiederholt, dass sie die territoriale Integrität Iraks unter allen Umständen wahrt. Das Engagement der Türkei im Norden von Irak kommentierte die Militärquelle in Bagdad mit folgenden Worten:

„Nach den zahlreichen diplomatischen Zusammenstößen zwischen Türkei und Bagdad über Mosul ist man in der irakischen Regierung noch zögerlich, wenn es zur TSK-Stationierung in Baschika kommt. Bagdad möchte nicht, dass die Türkei eine Miliz aufbaut, die loyal zu Ankara steht, wenn es zum Konflikt kommt.“

Am vergangenen Samstag räumte der türkische Premierminister Binali Yildirim bei seinem Arbeitsbesuch in Bagdad ein, dass die türkische Militärpräsenz in Baschika „nicht mehr von Nöten“ ist. Dennoch beharrt Ankaras Außenpolitik zumindest vorerst darauf, dass die TSK solange im Irak präsent sein wird, bis die Terrormiliz „Islamischer Staat“ endgültig zerschlagen wurde und andere Terrorgruppen wie die kurdische PKK keine Gefahr aus dem Irak für die Türkei darstellen können.



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