Iran: Ruhani will mehr Freiheit für die Jugend

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Jenseits vermeintlich religiöser Hardliner gibt es in der iranischen Politik immer wieder Stimmen, die der Bevölkerung des islamischen Landes mehr Freiheit geben wollen. Eine davon kommt von Präsident Ruhani.

Hassan Ruhani traf sich mit einer Delegation von Schullehrern. Dabei zeigte er sich wieder einmal als Vordenker im Land, der hinterher stets von den konservativen Kräften kritisiert wird. Dennoch ist dies ein gutes Zeichen dafür, dass sich innenpolitisch etwas tut. Denn mit einem so prominenten Vorkämpfer, wird eine gesellschaftliche Öffnung deutlich leichter.

 „Bei der Förderung von Jugendlichen nur Einschränkungen aufzudrängen ist ja nicht gerade die große Kunst“, sagte Ruhani in einem Treffen mit einer Gruppe von Schullehrern. Man könne die Jugendlichen doch nicht einsperren, besonders im Zeitalter des Internets, um ihre nationale und religiöse Identität zu wahren. Die Einstellung, dass Freiheit und Islam ein Widerspruch sind, sei falsch. Freiheit sei „kein westliches Phänomen“, so der Präsident weiter.

Im Iran ist der Zugang zu sozialen Netzwerken wie Twitter oder Facebook verboten. Doch Ruhani selbst hält sich nicht daran, zumal er regelmäßig twittert. Ganze 332.000 Follower hat er inzwischen angesammelt, Ayatollah Ali Khamenei immerhin 121.000. Doch die Tweets können von den Iranern – zumindest auf regulärem Wege – nicht gelesen werden. Das hindert die Menschen jedoch nicht daran, sich über Umwege Zugang zu verschaffen.

Im seit der islamischen Revolution 1979 (als der von den USA unterstützte despotische Herrscher Schah Mohammad Reza Pahlavi gestürzt wurde) sehr islamisch-konservativen und von Mullahs beherrschten Land gelten für die Bevölkerung strenge Regeln. Dennoch versuchen immer wieder diverse Politiker Lockerungen durchzusetzen und Kritik am Vorgehen von Mullahs, Justiz und Polizei zu üben.

Ruhani selbst gilt als solcher Kritiker. „Die Polizei soll nicht den Islam umsetzen, sondern für Ordnung sorgen“, sagte Ruhani im Hinblick auf das Verhalten der für die Kleiderordnung der Frauen zuständigen Sittenpolizei. Diese soll dafür sorgen, dass die Frauen nur mit Schleiern und langen Mänteln auf den Straßen unterwegs sind, was insbesondere die urbane Schicht nicht wirklich befolgt.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Contra-Magazin.



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