Kampf um Nahost: Iranischer General stirbt im irakischen Mosul

0

Ein irakischer Beamter hat am Samstag eingeräumt, dass ein hochrangiger Kommandeur der iranischen Revolutionsgarde bei Kämpfen mit der Terrormiliz „Islamischer Staat“ in West-Mosul getötet wurde. Das geopolitische Interesse Irans am Nordirak steigt mit Blick auf die Lage in Syrien und Libanon. Teheran riskiert neue Konflikte mit Regionalmächten wie die Türkei.

Aus den Aussagen Bagdads geht hervor, dass der iranische General Schaaban Nasiiri im Kampf mit dem IS starb. Er sei ein Militärberater von Qassim Soleimani gewesen. Soleimani ist der Anführer der al-Quds-Einheiten. Sie sind Sondereinsatzkräfte der iranischen Revolutionsgarden für exterritoriale Operationen und stehen unter dem direkten Befehl des Groß-Ayatollahs Chamanei.

Laut Informationen der Washington Post berät Qassim Soleimani unter anderem die pro-iranische Schiiten-Miliz Haschd Schaabi, auch als Volksmobilmachung bekannt, im Kampf gegen den IS. Die Volksmobilmachung ist ein Zusammenschluss von mehrheitlich schiitischen Milizen. Die einflussreichsten Milizen die Badr-Organisation, Asaib ahl-Haq, Kataib Imam Ali oder Hareket Hizbullah al-Nujaba unterhalten enge Beziehungen zum Iran.

US-unterstützte irakische Kräfte kämpften bisher innerhalb der ehemaligen Metropole Mosul. Die Volksmobilmachung operiert hingegen in den Wüstenregionen westlich Mosuls. Sie konzentriert sich darauf, Versorgungsrouten des IS abzuschneiden und Einflussräume zu bilden.

Der Tod von General Nasiiri ist ein weiterer Hinweis, dass Teheran großes politisches Interesse für den Norden Iraks am Tag nach der militärischen Niederlage des IS hat. Dabei stellt der IS inzwischen weniger eine echte militärische Gefahr dar, als ein Vakuum, das Iran mit eigenen Ablegern wie die Volksmobilmachung füllen möchte.

Die Abwesenheit einer starken Zentralregierung in Bagdad ermöglicht Teheran, seinen Einfluss über einen Vorstoß in West- und Nord-Irak auch auf Syrien auszubauen.

Gegenwärtig rücken pro-iranische Schiiten-Milizen auf die Stadt Baadsch vor. Diese liegt nur wenige Kilometer südlich der Jesiden-Stadt Sindschar, die eine Brückenfunktion zwischen Irak und Syrien einnimmt. Mit einer Allianz der PKK-nahen Jesiden-Miliz YBS kann Iran einen Landweg nach Syrien etablieren. Dort könnte Iran sehr zum Missfallen der Türkei langfristig zum regionalen Unterstützer der PKK-nahen YPG-Milizen aufsteigen. Hinzu kommt, dass Iran über Gebiete, die von der syrischen Armee kontrolliert werden, eine feste Logistikroute in die westsyrische Stadt Zabadani und nach Libanon einrichten, wo die pro-iranische Schiiten-Miliz Hisbollah operiert.

Im Falle des Iraks drohte die Türkei inzwischen mit dem Casus Belli, sollte Iran seine Erwägungen mittels sektiererischer Schiiten-Brigaden real machen wollen. Ankara lehnt die Einnahme der Turkmenen-Stadt Tel Afer im Nordirak ab. Die Türkei betrachtet sich als Schutzmacht der Turkmenen im Irak. Noch brisanter sind die Entwicklungen im Sindschar. Dort bewegen sich rund 400 Mitglieder der verbotenen PKK-Organisation, die jesidische YBS-Kämpfer ausbilden. Das berichtet des Fachportal al Monitor. Das Sindschar-Gebiet ist aus sicherheitspolitischen Gründen komplex, da sich die PKK auf diese Weise über das schwer kontrollierbare Zagros-Gebirge „strategische Tiefe“ gegen die türkische Armee in Südostanatolien sichern konnte.



Share.

Nehme dazu Stellung!