Nächster Schritt Unabhängigkeit? Kurden nehmen an NATO-Übung teil

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Zum ersten Mal in der kurdischen Geschichte haben Peschmerga aus dem Irak an einer Militärübung des westlichen Militärbündnisses NATO teilgenommen. Der Kurden-Experte Abdulla Hawez ist davon überzeugt, dass sich Iraks Kurden im Kampf gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ bewiesen haben, was von den USA honoriert wird.

An der Übung, bei der medizinische Behandlungsmethoden im Fokus standen, nahmen Militärärzte aus zahlreichen NATO- und Nicht-NATO-Staaten teil. Diesmal auch zwei Ärzte aus der nordirakischen Kurdenregion, das teilte der Peschmerga-Offizier Muhsin Muhammed Raschid im Gesrpäch mit dem kurdischen Nachrichtenportal am 12. Januar mit.

Raschid, der auch an der NATO-Übung partizipierte, informierte, dass der Kurs fünf Tage andauerte. Die Übung wurde auf der Hilversum Militärbasis unweit der niederländischen Hauptstadt Amsterdam abgehalten.

Bild von einer Not-Verarztung (Bildquelle: Peschmerga)

Bild von einer Not-Verarztung (Bildquelle: Peschmerga)

Eurasia News fragte den Kurden-Experten vom international renommierten Londoner Kings College, Abdulla Hawez, welche politische Reichweite die Einladung der kurdischen Peschmerga zu einer NATO-Übung haben könnte? Hawez beantwortete:

„Ich bin der Meinung, dass die NATO-Übung für die Peschmerga weder überraschend kommt, noch eine Entscheidung gegen den Irak ist. Dieses Training ist im Grunde Teil eines allgemeinen NATO-Programms zur Ausbildung irakischer Sicherheitskräfte. Die Ausbildung erfolgt in Kooperation mit Bagdad, was darauf zurückzuführen ist, dass Erbil erfolgreich mit Bagdad im Kampf gegen die Terrormiliz ‚Islamischer Staat‘ in Mosul bisher zusammengearbeitet hat. Das Abkommen wurde von den USA von Anfang an begleitet.“

Hawez betrachtet diese Entwicklung für Erbil aus dem Blickpunkt einer breiteren Militärallianz mit den USA. Er sagte:

„Es muss bemerkt werden, dass die USA eine militärische Koordinierungsstation und ein Operationszentrum in Erbil, die Hauptstadt der Kurden-Regierung von Massoud Barzani, eingerichtet haben. Die US-Militärpräsenz hat sich zuletzt in der Autonomen Kurden-Region sogar erhöht. Das US-Militär betrachtet die Kurden in der Region als enge Verbündete im Kampf gegen den IS.“

Auf die Frage, ob das US-Engagement die Unabhängigkeitsforderungen der Kurden im Irak befeuern könnte, sagte der Nahost-Experte:

„Für die Kurden-Regierung Barzanis ist das sicherlich eine gute Chance und wichtige Hilfe im Sinne seiner Aspirationen. Aber die Regierung ist sich auch bewusst, dass die US-Hilfe alleine nicht ausreicht für die Unabhängigkeit. Das geht nicht ohne die Einwilligung von Bagdad, der Türkei und Iran. Das sind drei sehr wichtige Akteure. Es bleibt auch nicht unbemerkt, dass die Kurden sich nicht verstecken. Sie nutzen jede Gelegenheit, um sich für ihre Forderungen eine starke Ausgangssituation zu sichern. Zusammengefasst bin ich davon überzeugt, dass die Übungen zur Professionalisierung der Peschmerga beitragen wird, was das Rückgrat eines künftigen Kurdenstaates ist.“

Der Nahost-Analyst Ömer Özkizilcik sagte gegenüber Eurasia News, dass die Kooperation zwischen internationalen Akteuren und den Peschmerga kein Novum darstellt. Der Analyst fügte hinzu:

„Vielmehr erkennt man im Verhältnis eine Kontinuität, die in einem neuen, engeren Kooperationsniveau gemündet ist.“



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