Optimistisch? Türkei und Saudi-Arabien können regionale Partner sein

0

Ankara und Riad sind zwei bedeutende regionale Akteure im Nahen Osten. Obwohl sie viele Gemeinsamkeiten aufweisen, waren die bilateralen Beziehungen zwischen den beiden Ländern traditionell eher zurückhaltend, schreibt Politikanalyst Muhittin Ataman von der türkischen Denkfabrik SETA.

Der erste Besuch eines saudischen Regenten in der Türkei fand erstmals 2005 durch König Abdullah statt. Nach dem Ende des Kalten Krieges und dramatischen Veränderungen in der globalen und regionalen Ordnung haben die beiden Länder eine neue Phase der bilateralen Beziehungen eingeleitet. Beide Länder begannen, ihre Beziehungen zu diversifizieren, und sie wandten diese außenpolitische Ausrichtung aufeinander an. Diese Politikverschiebung führte zu lohnenden Ergebnissen sowohl für die Türkei als auch für Saudi-Arabien.

Allerdings haben sie seit dem Arabischen Frühling schwankende Beziehungen erlebt. Während sie in einigen regionalen Fragen kooperierten, vertraten sie bei einigen anderen regionalen Problemen gegensätzliche Positionen. Vor allem nach dem Regimewechsel in Ägypten unterstützen Riad und Ankara einander bekämpfende Konfliktparteien – Saudi-Arabien unterstützt den Status quo unter Ex-General Abdelfattah al-Sisi, die Türkei die Volksbewegungen und Muslimbruderschaft.

Angesichts der zunehmenden regionalen Instabilität und des zunehmenden Chaos sind die beiden Länder dazu bestimmt, miteinander zu kooperieren. Trotz des widersprüchlichen politischen Diskurses stehen zu viele Vorteile auf dem Spiel. Beide Staaten sind sich in vielen regionalen und globalen Fragen einig.

Strategische Expansion in Ostafrika: Türkei schließt mit Sudan umfassende Abkommen

Die Türkei und Saudi-Arabien können in vielen regionalen Fragen problemlos zusammenarbeiten. Sie können und sollten zusammenarbeiten, um muslimische Länder zu einer Lösung für Jerusalem zu führen. Sie haben ein gemeinsames Interesse daran, den Irak vor iranischem Einfluss zu retten, da beide Länder weniger und wenn möglich keinen iranischen Einfluss im Irak wollen. Beide wollen das Ende des von Iranern unterstützten Baschar Assad in Syrien, da sie zumindest rhetorisch die syrische Opposition im syrischen Bürgerkrieg unterstützt haben. Sowohl die Türkei als auch Saudi-Arabien unterstützen die Islah-Partei und die Regierung von Präsident Abdurrabuh Mansur Hadi im Jemen gegen die vom Iran unterstützten Houthi-Milizen.

Darüber hinaus haben die Türkei und Saudi-Arabien ein gemeinsames Interesse daran, ihre bilateralen Beziehungen zu verbessern, da beide Länder von einer weiteren Zusammenarbeit in den Bereichen Wirtschaft, Kultur, Politik und Sicherheit profitieren werden. Ihre komplementären Wirtschaftsstrukturen ermöglichen es ihnen, die Beziehungen insbesondere in den Bereichen Handel, Direktinvestitionen und Rüstungsindustrie zu verbessern. Außerdem sind die Türken die weltweit zweitgrößte Gruppe, die Mekka und Medina zu anderen Zeiten als dem Hadsch besucht.

Was kann getan werden, um die bilateralen Beziehungen weiter zu verbessern?

Erstens muss die Türkei die Saudis davon überzeugen, dass sie im Gegensatz zu Iran und Saudi-Arabien keinen widersprüchlichen politischen Diskurs führt. Deshalb sollten Saudis wissen, dass die Türkei nicht pro-iranisch ist. Darüber hinaus will die Türkei als neutrales Land keine Beschleunigung des Konflikts zwischen Iran und Saudi-Arabien. Zweitens sollten die Türkei und Saudi-Arabien ihre Beziehungen zu Ägypten beziehungsweise Katar normalisieren. Die türkisch-ägyptischen und saudi-katarischen Beziehungen sollten wiederhergestellt werden. Je länger diese Normalisierung hinausgeschoben wird, desto geringer sind die Chancen für die Türkei und Saudi-Arabien, zur regionalen Stabilität beizutragen.

Drittens sollten die Türkei und Saudi-Arabien eine Regionalpolitik betreiben, die zur regionalen Stabilität und nicht zum regionalen Chaos beiträgt. Sie sollten beispielsweise zur Normalisierung des libyschen Staates beitragen. Sie sollten nach regionalen Lösungen für regionale Probleme suchen. Die Aufrechterhaltung der regionalen Stabilität sollte die oberste Priorität aller Regionalstaaten sein, aber sie sollte auch auf die Bedürfnisse ihrer Bevölkerung eingehen.

Nicht zuletzt müssen die Türkei und Saudi-Arabien ihre bilateralen Beziehungen vor den Vereinigten Arabischen Emiraten retten. In anderen Worten, die Führung der Vereinigten Arabischen Emirate sollte die saudische Perspektive auf die Türkei nicht beeinflussen, wenn nicht gar bestimmen. Die Türkei ist nach wie vor dem Grundsatz verpflichtet, die Zahl der Freunde zu erhöhen und die Zahl der Feinde in der Region zu verringern. Außerdem betrachtet die Türkei kein regionales Land als Feindstaat, vor allem nicht diejenigen, mit denen sie eine lange gemeinsame Geschichte und ein gemeinsames Glaubenssystem wie Saudi-Arabien teilt.

Erdogan zu Emirate: Wo wart ihr, als Osmanen Medina verteidigten



Share.

Nehme dazu Stellung!