Türkei verdrängt Jordanien als muslimische Vormacht in Jerusalem

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Ankara investiert Millionen von US-Dollar in die Palästinenser-Gebiete Ost-Jerusalems. Die Türkei positioniert sich als einflussreichste muslimische Macht. Während das osmanische Erbe in Jerusalem wieder aufersteht, schwindet Jordaniens traditioneller Einfluss.

Ein Jahrhundert nach dem Zerfall des Osmanischen Reiches kehren türkische Stiftungen und Organisationen mit gezieltem Nachdruck aus Ankara nach Jerusalem zurück. Die Softpower-Instrumente stärken die Beliebtheit der Türkei als muslimischer Akteur. Israelische Medien wie Israel Hayom fürchten den wachsenden Einfluss der Türkei in Jerusalem, das auch von Israel als Hauptstadt beansprucht wird.

Ein Teil der Finanzmittel, die zu den Palästinensern nach Jerusalem gehen, wird von der türkischen Regierung direkt zur Verfügung gestellt. Das Geld kommt über die staatliche türkische Entwicklungshilfeorganisation TIKA an.

Der Präsident von TIKA Doktor Serdar Cam wird von israelischen Medien als enger Vertrauter von Erdogan beschrieben. Er diente zuvor als Vorsitzender des türkischen Parlaments.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan unterstützt TIKA’s Entwicklungsprojekte. In seinen Reden motiviert Erdogan die Organisation, vor allem in allen ehemaligen osmanischen Staaten aktiv zu sein. Regelmäßig kritisiert der türkische Präsident politische Übergriffe der israelischen Politik und solche von Sicherheitskräften in Ost-Jerusalem, das strikt Teil der Palästinenser-Gebiete sei.

Vergangenen Monat rief Erdogan Muslime in einer Rede beim Internationalen Al-Quds-Forum in Istanbul auf, sie sollten die Al-Aqsa-Moschee, die auf dem Tempelberg steht, regelmäßig besuchen, um „die muslimische Identität der Stätte zu schützen“.

„Als muslimisches Gemeinschaft müssen wir die Al-Aqsa-Moschee oft besuchen; jeden Tag, den Jerusalem unter Besatzung steht, ist für uns eine Beleidigung“, wurde er zitiert.

Im Jahr 2015 gab der Vorsitzende des türkischen Amtes für religiöse Angelegenheiten Mehmet Görmez sogar eine Freitagspredigt in Jerusalem.

Anschließend führte er ein Gebet an der von Muslimen verehrten Moschee.

Seit 2005 hat TIKA Millionen von US-Dollar für 71 verschiedene Projekte in Ost-Jerusalem ausgegeben. Im Gaza-Streifen verwirklichte TIKA 120 Projekte. Alleine dieses Jahr will TIKA 30 Häuser und 30 Läden in Zusammenarbeit mit mehreren NGOs fertigstellen, darunter die Jordanien-nahe Islamische Stiftung, die Handelskammer Jerusalem und die Union arabischer Hoteliers.

Generell kümmert sich die Organisation um „den Schutz und Stärkung des muslimischen Erbes und Charakters von Jerusalem“, heißt es von TIKA selbst.

Die Türkei unterhält enge Beziehungen zu Raed Saleh, dem Führer des Nördlichen Zweigs der Islamischen Bewegung in Israel, die mittlerweile von Tel Aviv als terroristisch eingestuft wird. Auch gehört der ehemalige Mufti von Jerusalem Scheich Akram Sabri zu den engsten Partnern der Türkei.

Zu den größten Projekten von TIKA gehören die Restaurierung der osmanischen Archive in Jerusalem. Die Wasserversorgung für Wallfahrer wurde auf dem Tempelberg mit dem Bau eines großen Wassertankers gesichert. Die türkische Regierungsorganisation restaurierte die Schaschelet Straße im muslimischen Viertel der Altstadt. Muslimische Gräber wie der Bab al-Rahma Friedhof am Fuße des Tempelbergs wurde wieder hergerichtet. Hinzu kommen zahlreiche religiöse und gesellschaftliche Projekte in allen Palästinenser-Gebieten.

Eine andere türkische Vereinigung finanziert teilweise Buslinien, die muslimische Aktivisten zum Tempelberg fahren. Die dahinter stehende Organisation Murabitun und Murabitat, die als Organisation für muslimische Studien agiert, sucht gerne die Konfrontation auf dem Tempelberg, behaupten israelische Medien. Hinzu kommen Gruppen wie die Stiftung „Unser Erbe“, die in Istanbul ansässig ist. Im letzten Jahrzehnt investierte die Organisation 40 Millionen US-Dollar in die Altstadt. Die Nuur Stiftung stellte der Palästinenser-Organisation Taawun 140.000 US-Dollar zur Verfügung. Die Organisation hat sich ebenso der Erhaltung des muslimischen Erbes in Jerusalem gewidmet.

Die verstärkte türkische Präsenz wird durch die zunehmend sichtbare Fahne der Türkei in den Straßen Ost-Jerusalems betont. Israelische Medien bemerken, dass das mit dem wachsenden Beliebtheitsgrad von türkischem Essen und der türkischen Kultur unter Palästinensern einhergeht. Ein Symbol dessen ist der neue vergoldete Halbmond, der auf der Kuppel der al-Aqsa-Moschee aufgepflanzt wurde. Der Halbmond wurde teilweise aus Geldern der türkischen Regierung bezahlt.



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