Strategische Expansion in Ostafrika: Türkei schließt mit Sudan umfassende Abkommen

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Die Türkei und der Sudan haben sich darauf geeinigt, einen strategischen Kooperationsrat einzurichten und die Handelsbemühungen zu verstärken. Außerdem sind beide Staaten am Ausbau der militärischen Beziehungen interessiert.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ist am Sonntag im Rahmen einer dreitägigen Reise in der sudanesischen Hauptstadt eingetroffen. Zu seiner Afrika-Tour gehören auch Besuche im Tschad und in Tunesien.

Beide Länder unterzeichneten am Sonntag insgesamt 13 Abkommen in den Bereichen Verteidigungszusammenarbeit, Bergbau, Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Wissenschaft, Bildung, Tourismus, Umwelt, Unterstützung von Einkaufszentren und Einrichtung eines strategischen Rates.

Nach einem Treffen mit seinem sudanesischen Amtskollegen Omar al-Baschir sagte Erdogan, dass die beiden Länder den bilateralen Handel von derzeit 500 Millionen US-Dollar pro Jahr auf zunächst eine Milliarde US-Dollar und dann auf zehn Milliarden US-Dollar steigern wollen. Um die Wirtschaftskooperation zu forcieren.

Zu diesem Zweck entschieden beide Nationen die Etablierung eines „Strategischen Kooperationsrates“.

Der türkische Wirtschaftsminister schlug am Montag vor, den Handel mittels einheimischen Währungen zu betreiben, um den bilateralen Handel zusätzlich anzukurbeln.

„Die Türkei und der Sudan könnten ein System aufbauen, das die Möglichkeit bietet, einheimische Währungen als Gegenleistung für den Export untereinander zu verwenden“, sagte Nihat Zeybekci beim Sudan-Türkei Wirtschaftsforum, das im Rahmen des Besuchs des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan im Sudan stattfand.

„Wir haben ein Abkommen über wirtschaftliche Zusammenarbeit unterzeichnet und unsere beiden Länder auf den Weg des Freihandels gebracht“, sagte Zeybekci. Der Minister wies darauf hin, dass ein Freihandelsabkommen zwischen beiden Ländern in nächster Zeit unterzeichnet wird. Er betonte, dass der Sudan einen großen Bedarf an Infrastrukturinvestitionen hat, während die Türkei mehrere landwirtschaftliche Produkte benötigt, die im Sudan angebaut würden.

Im Rahmen des mit der Generaldirektion für landwirtschaftliche Unternehmen der Türkei unterzeichneten Abkommens wurden rund 780.000 Hektar in fünf Regionen für Investitionen türkischer Unternehmer vorgesehen. Der sudanesische Landwirtschaftsminister Abdullatif Ahmed Mohamed Ijaimi sagte, er hoffe auf ein Abkommen, das es dem Sudan erlauben würde, der Türkei billiges Fleisch zu liefern, die in den letzten Monaten einen Anstieg der Rindfleischpreise verzeichnet hat.

Türkei soll Militärbasis in Somalia bauen

Am Montag gab der türkische Generalstab bekannt, dass er ein Abkommen zur Ausbildung somalischer Soldaten unterzeichnete. Den Vertrag wickelte Generalstabschef Hulusi Akar mit seinem Amtskollegen Imad Aldien Mustafa Adawi ab. Genaueres über die Art der türkischen Ausbildung ist noch nicht bekannt. Ankara schloss zuvor ein Militärausbildungsprogramm mit Dschibuti und unterhält eine Militärtrainingsbasis in Somalia.

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Am Montag trafen sich auch die Generalstabschefs aus der Türkei und Sudan mit dem aus Katar. Das trilaterale Treffen ist deshalb interessant, weil Katar der engste türkische Alliierte Ankaras im Nahen Osten ist, der zuletzt von Saudi-Arabien und den Verenigten Arabischen Emirate vor eine Wirtschaftsblocke gestellt wurde. Unter dem Eindruck des Treffens scheint sich eine neue Allianz mit der Regierung von Omar al-Baschir herauszukristallisieren, der der Muslimbruderschaft nahesteht. Sowohl Türkei als auch Katar betrachten die Muslimbruderschaft als nützliche Alliierten im Rahmen einer wachsenden Einflusspolitik beider Verbündeten. Außerdem besteht noch immer ein erhebliches Konkurrenzverhältnis zwischen Ankara und Kairo. Mit der Positionierung am unteren Lauf des Nils baut die Türkei-Katar-Allianz an neuen geopolitischen Optionen vis-a-vis Ägypten.

Der sudanesische Vizepräsident und Parlamentarier der Islah Harakat-Partei Hasan Osman Rizik forderte in einem Interview mit der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu die „Einrichtung einer türkischen Militärbasis im Roten Meer, die die Machtposition der beiden Länder an der Küste der Hafenstadt Port Sudan repräsentieren soll“, zitiert das türkische Nachrichtenportal „Türkiye Gazetesi“.

Passend dazu stimmte Sudan zu, die Suakin Insel der Türkei für den Wiederaufbau zu übergeben, erklärte Präsident Erdogan. Suakin, einer der ältesten Seehäfen Afrikas, wurde von afrikanischen Muslimen traditionell genutzt, die nach Saudi-Arabien pilgerten. Die Insel liegt 60 Kilometer südlich von Port Sudan.

Nach dem Besuch der Insel, Erdogan sagte früher am selben Tag, dass die Insel wieder aufgebaut werden muss und forderte einen Restaurierungsprozess während einer Rede in der Universität von Chartum.

Die türkischen Osmanen nutzten die Hafenstadt, um die Provinz Hidschaz – das heutige westliche Saudi-Arabien – vor Angreifern zu schützen, die über das Rote Meer kamen. Für Ankara bildet sich auf diese Weise neues Potenzial für „Power Projection“ sowohl gegenüber Ägypten als auch Saudi-Arabien, die beide entweder in Libyen oder am Persischen Golf im Rahmen der Katar-Krise mit der Türkei konkurrieren.

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