Pakistan will Saudi-Arabien und Emirate nicht mehr militärisch schützen

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Während Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate immer abhängiger werden von den USA in Fragen der Militärsicherheit und eigener militärischer Operationen im Nahen Osten, distanziert sich der traditionelle Alliierte Pakistan von seinen Golf-Partnern.

Anfang Dezember 2017 kündigten das Königreich Saudi-Arabien (KSA) und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) die Bildung einer neuen Militärallianz an, die alle Aspekte der strategischen militärischen, politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern überwachen soll. Nur eine Woche zuvor hatte Riyadh auch den offiziellen Start der 41-köpfigen Islamischen Militärischen Anti-Terror-Koalition (IMCTC) unter dem Kommando des ehemaligen pakistanischen Stabschefs (COAS) General Raheel Sharif begleitet.

Als wenn diese beiden neuen Allianzen nicht ausreichen würden, kündigten KSA und die VAE auch an, dass sie mehr als 100 Millionen Dollar für die neu gebildete G5-Saheltruppe ausgeben würden, die den Terrorismus unter Frankreichs Führung in Westafrika bekämpfen soll. Historisch gesehen hatten die KSA und die VAE keine militärische Beteiligung in Westafrika, so dass diese Ankündigung bei einigen Beobachtern für Aufmerksamkeit sorgte. Jedoch von einem US-amerikanischen Prisma aus betrachtet, könnten KSA und die VAE dies in Verbindung mit US-amerikanischen Plänen in der Region getan haben. Selbst im Jahr 2017, einem Jahr, in dem die Militärdiplomatie mit der Ankunft von Donald Trump eine neue Bedeutung erlangte, haben insbesondere auch die VAE und die KSA der „gewaltsamen Vermittlung“ eine neue Bedeutung verliehen. Die pakistanische Armee, von der viele Akademiker behaupten, dass sie der nukleare Garant für die Sicherheit beider Länder gewesen sei, scheint wegen der Konflikte mit den USA ihre Hilfe auslaufen zu lassen.

Dabei stellt sich die Frage, wie gestaltet die entstehende unabhängige militärische Partnerschaft zwischen Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emirate auf der einen Seite und dem traditionellen Verbündeten Pakistan die militärischen Beziehungen zwischen Pakistan und dem Golf-Kooperationsrat (GCC) um?

Die Antwort liegt wahrscheinlich in den Beziehungen zwischen der Politik von Präsident Trump und dem pakistanischen Militär, das sich von der aggressiven saudischen Außenpolitik unter Kronprinz Muhammed bin Salman zunehmend distanziert. Der Hauptgrund für die Distanzierung Pakistans, wenn auch nur geringfügig, war die mögliche innenpolitische Gegenreaktion, die sich daraus ergab, sollte die Regionalmacht Pakistan als Schoßhündchen der Saudis wahrgenommen werden.

Saudis und Emiratis bezahlen USA für Schutz

Während seines Wahlkampfes um die US-Präsidentschaft sagte Donald Trump, dass seine arabischen Verbündeten, und vor allem KSA, das US-amerikanische Volk zu lange geschröpft hätten, und dass sie die Sicherheit in ihre eigenen Hände nehmen und den Amerikanern viel mehr zahlen müssten, um ihnen Sicherheit zu geben. Um genau zu sein, sagte Trump:

„Saudi-Arabien würde nicht einmal existieren, wenn es nicht die Amerikaner gäbe.“

Seit Trump sein Amt angetreten hat, haben KSA und die Vereinigten Arabischen Emirate alles getan für die Unterstützung von Trump.

Trump wurde reichliche belohnt für seine Kooperationsbereitschaft. Bei seinem ersten großen Auslandsbesuch unterzeichnete er Waffengeschäfte im Wert von 350 Millionen US-Dollar und sagte, er habe die Saudis gedrängt, die Führung bei der Beendigung des Terrorismus in der muslimischen Welt zu übernehmen. Kurz nach dem Riad-Gipfel starteten KSA und die VAE einen totalen Boykott und eine Blockade gegen Katar und forderten den Rest der arabischen und muslimischen Welt auf, ihnen zu folgen. Es ist kein Geheimnis, dass die Saudis und Emiratis mit der Außenpolitik Katars nicht zufrieden waren. Sie zogen bereits 2014 ihre Botschafter aus Doha ab.

Der GCC war schon seit geraumer Zeit keine geschlossene Einheit mehr; in der Tat kann man auf den ersten Golfkrieg zurückblicken, als die Mitgliedsstaaten keine Politik entwickeln konnten, wie man Saddam Husseins Forderung nach Rückzahlungen begegnen konnte, den Bagdad über Jahre im Namen des GCC gegen den Iran geführt hat.

Das führte zu der katastrophalen Invasion Kuwaits und dem anschließenden Einsatz US-amerikanischer Truppen zum Schutz Saudi-Arabiens. Darauf bezieht sich auch Donald Trump, wenn er sagt, dass KSA ohne die Amerikaner nicht existieren würde.

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Dies war der Beginn einer völligen Abhängigkeit von den Amerikanern zum Schutz des Golfs. Sich schnell entwickelnd bis 2003, als die Vereinigten Staaten in den Irak einmarschierten – KSA und die VAE waren nicht in der Lage, wirksame Einwände zu erheben, und der GCC wurde mehr oder weniger beschlagnahmt, um eine kohäsive Militäreinheit zu sein. Der Irak-Krieg und die Zersplitterung der großen arabischen Staaten hat dazu geführt, dass sich KSA und die VAE jetzt noch mehr auf amerikanische Waffen und private Militärkontraktoren verlassen, um sich zu schützen. Die KSA hat zunehmend private Verteidigungsunternehmen für ihre Sicherheit eingesetzt, und es wurde auch behauptet, dass die letzte Runde der Verhaftungen und Folterungen von US-amerikanischen Unternehmen geplant und durchgeführt wurden.

Die Allianz der VAE mit dem ehemaligen Blackwater-Besitzer Eric Prince ist gut dokumentiert; es waren Prince und einige hundert australische, britische und US-amerikanische Söldner, die den Jemenkrieg für Muhammed bin Salman und Muhammed bin Zaid unter anderem führen.

Zeitgleich kann es als ein Versagen der VAE angesehen werden, die ägyptischen und pakistanischen Armeen gezwungen zu haben, in ihrem Namen zu kämpfen, was zu einer engen privaten Partnerschaft mit Prince führte. Es wurde auch bekannt gegeben, dass sich die Emiratis für den jungen saudischen Kronprinzen Muhammed bin Selman in DC kämpften, um eine neue militärische und geostrategische Allianz zu bilden. Eric Prince und die Vereinigten Arabischen Emirate führten auch womöglich Diplomatie im Namen von Trump durch: Dies fiel auch mit der verstärkten Tätigkeit der Emirate und der Eröffnung von Militärstützpunkten am Horn von Afrika zusammen, was ein weiteres Prince-VAE-Projekt ist. So ist der Start der neuen afrikanischen Militärallianz in Westafrika mit Geld aus den VAE und Saudi-Arabien keine Überraschung. Dies alles passt zu Trumps Wahlversprechen, die Saudis und andere Araber dazu zu bringen, mehr für US-amerikanische Dienste zu zahlen und ihre eigenen Kämpfe zu führen.

Wo bleibt also das Verhältnis der pakistanischen Armee zu den Saudis und dem GCC im weiteren Sinne?

Pakistan lässt sich nicht von Saudi-Arabien einwickeln

Ein pakistanischer General, der das Ruder eines Saudi-geführten Bündnisses übernahm, das als „Islamische NATO“ bezeichnet wurde, war der Höhepunkt von mehr als drei Jahrzehnten pakistanischer Dominanz im Militärbereich, das dem GCC einen Sicherheitsschirm zur Verfügung stellte. Pakistan war 1990 der zweitgrößte Truppenlieferant in der Koalition gegen Saddam. Die Pakistanis hatten zu einem bestimmten Zeitpunkt fast 15.000 Soldaten in Saudi-Arabien stationiert.

Seitdem hat Pakistan auch tausende von Soldaten für den Schutz der Saudi-irakischen Grenze und der jemenitischen Grenze zur Verfügung gestellt. Doch seit ihrer Weigerung, tatsächlich im Jemen zu kämpfen, wurden die Saudis und Emiratis äußerst misstrauisch und wütend auf Islamabad. Pakistans General Raheel Sharifs machte zum Verärgern Riads deutlich, dass er die arabische Koalition nicht gegen den Iran oder gegen eine bestimmte Sekte ins Feld führen würde.

Der derzeitige Chef der pakistanischen Armee, General Qamar Bajwa, ging noch weiter. Er wendet sich sogar dem Iran zu und fördert die Beziehungen zu Katar, der Türkei und stellt sicher, dass Pakistan weder im Saudi-Qatar-Streit noch im Krieg zwischen Riad und Teheran Partei ergreift. Die pakistanische Armee unter ihrem neuen Chef hat der KSA und dem GCC klar gemacht, dass sie in ihrem Namen keine Kriege mehr führen und sich nicht mehr in Kriege einmischen wird. Das letzte Mal als die Pakistanis im Namen der KSA und der VAE einen Krieg führten, war bei der Unterdrückung tausender unbewaffneter Demonstranten in Bahrain.

 



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