Mit oder ohne Assad? Großbritannien und USA uneins über Kampf gegen Iran

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Washington will, dass die Hisbollah aus Syrien verschwindet. London will, dass britische Kämpfer in den Reihen des „Islamischen Staates“ eliminiert werden, bevor sie nach Hause zurückkehren. Die unterschiedlichen amerikanischen und britischen Ziele haben zu unterschiedlichen Politiken geführt.

Washington denkt, dass ein von Russland unterstützter Baschar al-Assad helfen könnte, den iranischen Einfluss in Syrien auszurotten. Großbritannien ist der Meinung, dass seine Tyrannei, solange Assad an der Macht bleibt, einen fruchtbaren Boden für terroristische Gruppen schaffen wird. Sie werden sich in Syrien weiterhin in Syrien rekrutieren und dort gedeihen, selbst nach der Niederlage des IS.

Abgesehen vom Sieg über den IS haben die USA wenig Interesse an Syrien. Wenn Amerika mit dem IS kämpfen will, geht es in der Regel durch den Irak.

Aber Israel, Washingtons engster Verbündeter, hat an Syrien größeres Interesse als am Irak und den „Islamischen Staat“. Seit dem Sturz Saddam Husseins hat der Irak aufgehört, eine regionale Bedrohung für Israel zu sein. Aber weil Israel Grenzen zu Syrien hat, bleibt Damaskus eine Bedrohung für die Israelis, auch nachdem Assad sein chemisches Arsenal abgegeben hat. Die israelisch-syrischen Grenzen sind bislang ruhig,. Zuletzt gab es Gefechte 1974.

Ab 2011, und mit der Schwächung von Assad, lockerte sich sein Griff im Süden. Der Iran und die Hisbollah sprangen sofort ein, um das Vakuum zu füllen und zwangen die israelische Luftwaffe, ihre Überwachung der iranischen Waffenlieferungen an die Hisbollah drastisch zu erhöhen und sie ins Visier zu nehmen.

Der Iran hat sich bemüht, größere Präsenz in Südsyrien zu zeigen. Teheran möchte unbedingt verhindern, dass Israel von der Schwäche Assads in Südsyrien profitiert.

Weil Israel im Panikmodus über iranische Stützpunkten in Südsyrien ist, hat nutzt es jeden Einfluss, den es auf die Politik in den USA hat, um Washington von der Notwendigkeit zu überzeugen, den „iranischen Halbmond“ im Nahen Osten zu zerschlagen, der von Teheran nach Beirut durch den Irak und Syrien geht.

Damit ein solcher Halbmond gehalten werden kann, müssen die USA und Verbündeten ihre militärischen Operationen östlich des Euphrat-Flusses verschwinden. Solange die USA in in Ostsyrien allerdings präsent sind, bleibt der iranische Halbmond der Gnade Amerikas oder zumindest dem wachsamen Blick der US Army ausgeliefert.

Amerikanische Militäroperationen gegen den IS in diesem Gebiet sind vorbei. US-Präsident Donald Trump sagte seinem türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan, dass Washington aufhören würde, den syrischen PKK-Ableger YPG zu bewaffnen, um den „Islamischen Staat“ zu zerstören. Die Türkei betrachtet die YPG und PKK als linksmarxistische Terrororganisation.

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Aber Israel, das seit einigen Jahrzehnten mit den Kurden des Irak und Syriens flirtet, will, dass Amerika die YPG weiter bewaffnet, in der Hoffnung, dass eine solche Vereinbarung den iranischen Halbmond durchtrennt und damit die iranische Bedrohung in Südsyrien beendet. Mit anderen Worten, die syrische PKK soll die Arbeit Israels gegen Iran erledigen.

Trotz Trumps Versprechungen gegen Präsident Erdogan, die Bewaffnung der YPG zu stoppen, und obwohl das Pentagon angekündigt hat, seine Truppenstärke in Syrien von 6.600 auf etwa 2.000 zu senken, hat Washington bereits Hinweise geäußert, dass es beabsichtigt, für einige Zeit im Gebiet östlich des Euphrats zu bleiben, angeblich um den IS daran zu hindern zurückzukommen. Wahrscheinlicher ist, dass die US Army Iran im Auge halten soll.

Londons Fokus liegt auf den „Islamischen Staat“ unabhängig von Israels Interessen

Großbritannien hat wenig Interesse an der Dynamik zwischen Israel und der libanesischen Hezbollah. Es konzentriert lieber auf die Zerschlagung des IS und die Überwachung der gesetzlosen Gebiete Syriens. Aus diesem Grund gab London beträchtliche Geldbeträge an lokale Kämpfer, um lokale Polizeikräfte zu finanzieren. Kritiker fürchten, dass das Geld über Umwege in die Hände von Terroristen gelangen könnte. London setzte schließlich einen Teil seiner Gelder, die für die syrische Polizei vor Ort bestimmt waren, über einen externen Auftragnehmer aus.

Da das Ende des IS und die Stabilität der Gebiete, die diese Terrorgruppe einst kontrollierte, für das Vereinigte Königreich von größter Bedeutung sind, hat sich London auf die Stabilisierung der Gebiete festgesetzt. Großbritannien war auch einer der führenden Kräfte bei dem Versuch, internationales Geld zu sammeln, um beim Wiederaufbau dieser syrischen Ländereien zu helfen, in der Hoffnung, dass Stabilität sowohl den IS als auch Assad von den freigekämpften Gebieten fernhält, die allerdings von der YPG gehalten werden.

Die britische Regierung glaubt, dass Assad die Hauptursache für den Aufstieg des IS war. Assad zu erlauben, neue syrische Territorien zu kontrollieren, könnte den Wiederaufstieg des IS beschleunigen.

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Während Großbritannien denkt, dass Assad nicht Teil der Lösung sein kann, ist Washington davon überzeugt, dass, wenn Assad den Iran vollständig aufgibt und an Russland festhält, sein Comeback die Stabilisierung erleichtern könnte, wenn auch mit einigen Regierungszugeständnissen an seine Gegner.

Die USA und Großbritannien sehen die syrische Krise nicht auf Augenhöhe. Washington will Stabilität, die eine iranische Übernahme Südsyriens verhindern kann, während Großbritannien glaubt, dass Stabilität mit Assad unmöglich ist, der zwangsläufig gewalttätige Reaktionen hervorrufen und das Comeback von ISIL erleichtern wird.

Das nachlassende Interesse Amerikas am Nahen Osten trägt nicht dazu bei, die politische Kluft zwischen den beiden transatlantischen Verbündeten zu überbrücken. Vorerst müssen Washington und London bis auf weiteres ihren eigenen Weg gehen.



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