Syriens verlorene Generation: Krieg zerstört Zugang zu Bildung

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Der syrische Konflikt, der seit rund sieben Jahren wütet, hat eine gewaltigen Nebeneffekt. Syrische Schüler sind nicht nur traumatisiert, sondern sie hinken auch über Jahre in Fragen der Bildung zurück. Das wird Folgen für den Wiederaufbau des Landes haben.

von Filiz Özkök

Vor dem Ausbruch des Krieges in Syrien gab es landesweit mehr als 22.000 Schulen, so berichtet die UNO in der Übersicht über humanitäre Bedürfnisse 2017. Man spricht heute von mindestens 7.400 geschlossenen Schulen.

Die Schulen, die weiter hin in Betrieb bleiben, haben „schlechte Wasser-, Sanitär- und Hygienebedingungen“, heißt es. Zudem haben 150.000 Lehrkräfte das syrische Bildungssystem während des Krieges verlassen. Das „International Rescue Committe“ spricht öffentlich von ungefähr 1,75 Millionen syrischen Kindern und Jugendlichen ohne Bildungszugang.

Außerdem legen diese in ihren Lese- und Mathematikkenntnissen bis zu sechs Jahre im Rückstand. Der leitende Berater der „Organisation für Bildung“ Paul Frisoli beschreibt diesen Zustand als „alarmierend.“ Auf Grund der niedrigen Alphabetisierungs und den mangelnden Rechenkenntnissen, befürchtet Frisoli schwerwiegende Auswirkungen auf das zukünftige Lernen der Kinder. Außerdem drohe bei der zunehmenden Bildungslosigkeit der jungen Generation die soziale Ausbeutung. Denn hinsichtlich der zunehmenden Armut, wächst auch das Risiko, Opfer extremistischer Ideologien zu werden. Die Nonprofit- Organisation aus Chicago namens „Karam Foundation“ investiert in syrischen Schulen und beschreibt die syrische Jugend als „verlorene Generation“.

Im November 2017 wurden etwa 3.000 Kinder an fünf nordsyrischen Schulen zu ihren mathematischen Kenntnissen befragt. Die Ergebnisse zeigten, dass fast die Hälfte der befragten 13- jährigen eine Mathematikaufgabe, die für 7- jährige entwickelt wurde, nicht lösen konnten.

Darüber hinaus sagt der Bericht das „International Rescue Committe“, dass ungefähr ein Drittel der Achtklässler eine aus 60 Wörter bestehenden Geschichte nicht richtig lesen konnten. Laut des Vertreters der „Kinderfürsprache“ ist der Rückgang des Lernens in Syrien auf die anhaltenden Bombendrohungen, Gewalt und Flucht aus der häuslichen Umgebung und der Verlust von Familienmitgliedern zurückzuführen. Das „International Rescue Committe“ berichtet zudem, dass mehr als ein Viertel der 3.000 Schüler und Schülerinnen aus ihrer vertrauten Umgebung flüchten musste. Außerdem sind die Kinder von den Auswirkungen der Gewalt auf Familienmitglieder, sowie Zerstörungen und miterlebten Luftangriffen traumatisiert.

Krieg führt zu Lernblockaden

Die ständige Lebensbedrohung und Angst führt zu einem erhöhten Stresspegel bei den Kindern und somit zu Lernblockaden. „Wir denken, dass es in einigen Fällen zu einer Umkehrung des Lernens gekommen ist. Die Kinder sind so gestresst wegen der Umgebung, in der sie Leben,“ erklärte Frisoli und fügte hinzu, die Neurowissenschaft weiß, dass von Kindern, die in ihrem Leben einen lang anhaltenden toxischen Stress erleben, die Gehirnentwicklung behindert wird.

Das heißt, dass mit dem Krieg auch die Zukunft des Landes zum Opfer gefallen ist und beim Aufbau neuer Strukturen die Erziehung, sowie die Bildung der Kinder ein essentiell notweniger Baustein bildet.



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