Syriens Turkmenen-Führer: Wir wollen künftig in Schulen Türkisch lernen

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Der Vorsitzende der syrischen Volksversammlung der Turkmenen Emin Bozoglan hat am Freitag dem irakischen Fernsehsender Türkmeneli TV seine Einschätzungen über die laufenden Friedensverhandlungen in Astana gegeben, an denen er als Teil der Opposition teilnimmt. Das „turkmenische Volk stand von Anfang an aufseiten des Widerstandes“ und sieht das Wohlergehen der türkischen Minderheit mit der Vormachtstellung der Türkei eng verbunden.

Bozoglan wies daraufhin, dass sich die syrische Turkmenen-Organisation der Oppositionsdelegation bei den Friedensverhandlungen in Astana anschloss, die von der Türkei und Russland vermittelt werden. Er sagte:

„Wir nahmen an dem Treffen in der kasachischen Hauptstadt teil. Wir gaben unsere Ansichten als syrische Volksversammlung der Turkmenen kund und unterhielten bilaterale Kontakte. Lange Debatten wurden geführt. Es wird gehofft, dass der landesweite Waffenstillstand, so schnell es geht, in die Tat umgesetzt wird und dass jene, die den Waffenstillstand stören, sanktioniert werden. Die Garantiemächte Russland, Türkei und Iran müssen das gewährleisten. Der Waffenstillstand sollte nicht zeitlich limitiert sein, denn ohne einen anhaltenden Waffenstillstand sind politische Verhandlungen nicht möglich. Deshalb haben wir eine einstimmige Haltung zur Waffenruhe bei den Gesprächen in Astana eingenommen. Diese wird von der Türkei, Russland und Iran eingenommen.“

Bozoglan bemerkte, dass Syriens Turkmenen im bereits über sechs jährigen Bürgerkrieg stets aufseiten der Opposition standen. Der syrisch-turkmenische Politiker erklärte:

„Als Syriens Turkmenen sind wir Teil der Opposition, weil uns das syrische Regime seit über 60 Jahren unterdrückt und verfolgt. Die al-Assad-Regierung verfolgte eine Politik, die es uns nicht erlaubte, unsere Kultur und Identität auszuleben. Aus diesem Grund haben wir uns der bewaffneten und politischen Opposition angeschlossen.“

In diesem Zusammenhang lobte Bozoglan die unterstützende Rolle der Türkei bei der Umsetzung eines Waffenstillstands in Syrien. Türkmeneli TV teilte der Turkmenen-Führer mit:

„Die Türkei hat die größte Unterstützung bei der Erreichung eines Waffenstillstands gegeben und machte als Garantiemacht bemerkenswerte Versprechen. Ankara hielt auch alle seine Versprechungen ein. Einen anhaltenden Konflikt gibt es noch in Wadi Barada, wo sich die Hauptwasserquellen für Damaskus und die umliegende Region wiederfinden. Dort greifen die syrische Armee, die libanesische Hisbollah und andere pro-iranischen Milizen die Rebellen trotz Waffenruhe an. Vorherige Waffenruhen wurden von der al-Assad-Armee nicht eingehalten oder gewürdigt. Nicht zuletzt deshalb ist Astana wichtig, um die syrische Armee an Abkommen zu binden.“

Der Turkmenen-Führer versicherte, dass die türkische Minderheit anders als kurdische Bewegungen die territoriale Integrität Syriens unterstützt. Er fordert jedoch elementare Minderheitsrechte ein. So sollte die turkmenische Sprache als offizielle Sprache Syriens anerkannt werden. Er kommentierte:

„Als Turkmenen wollen wir, dass alle ethnischen und konfessionellen Gruppen in Frieden und unter demokratischen Bedingungen sowie Anerkennung der territorialen Integrität in Syrien zusammenleben. Wir müssen als syrisches Volk zusammenleben, wünschen uns aber als turkmenische Minderheit, unsere türkische Sprache im Rahmen eines Bildungszugangs lernen zu dürfen. Unsere Forderung ist, dass turkmenisch als offizielle Sprache anerkannt wird. Wir beanspruchen eine konstitutionelle Garantie aus Damaskus.“

Der syrische Politiker wies darauf hin, dass irakische und syrische Turkmenen ein gemeinsames Schicksal miteinander teilen und enge Verbindungen zu den Türken Anatoliens pflegen.

„Unser politisches Schicksal ähnelt sich, weil die Turkmenen im Irak und in Syrien zu den am meisten schikanierten Ethnien gehören. Die Türkei wiederum ist ein Nachbarstaat des Irak und Syriens. Wir als Turkmenen pflegen enge und starke Beziehungen zu den Türken, zu denen wir eine Verwandtschaft haben“, sagte Bozoglan.

Anbei ein Video von Turkmenen-Rebellen der FSA-Miliz Sultan Murat, die im Rahmen der türkischen Euphrat Schild-Operationen gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ in der al-Bab-Region operieren:

Im Zuge des Zusammenbruches des Osmanischen Reiches, welches von den Türken Anatoliens dominiert wurde, verloren die meisten Turkmenen Syriens größtenteils ihre sprachlichen Kompetenzen und ihre Identität, dafür wurden sie staatlich verordnet arabisiert. Dennoch machen diejenigen Turkmenen, die ihre Sprache und Identität zu erhalten wussten, vermutlich bis zu 1,5 Millionen syrische Bürger aus (rund 6,5 Prozent der Gesamtbevölkerung nach Erhebungen aus dem Jahr 2013, wonach die syrische Bevölkerung knapp 23 Millionen Staatsbürger umfasste). Trotz einer weitläufigen geografischen Streuung gibt es in den ländlichen Regionen der Provinzen Aleppo und Latakia entlang der türkischen Grenze turkmenische Besiedlungskonzentrationen. Rund drei Millionen Turkmenen leben im Irak.



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