Nach Katar: Kuwait steigt zum neuen Alliierten der Türkei auf

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Die Türkei und Kuwait haben ihre Beziehungen in den letzten Jahren zügig ausgebaut. Aber dieses Jahr machten beide Staaten einen weiteren bemerkenswerten Sprung mit einem neuen Rekord gegenseitiger hochrangiger Staatsbesuche.

von Ali Bakeer

Im März empfing der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan den Emir von Kuwait Scheich Sabah Sabah Al-Ahmad Al-Jaber Al-Sabah in Ankara. Sechs Monate später besuchte der kuwaitische Premierminister Sheikh Jaber Al-Mubarak Al-Hamad Al-Sabah die Türkei mit einer außergewöhnlich hochrangigen Delegation. Der Besuch war erfolgreich und die beiden Parteien unterzeichneten sechs Abkommen, darunter welche über die Zusammenarbeit in den Bereichen der Doppelbesteuerung, der kleinen und mittleren Unternehmen, der Zivilluftfahrt, der Telekommunikation und Informationstechnologie, der Sicherheit und bezüglich Jugendfragen.

Zusätzlich zu den zahlreichen türkischen Ministern, die Kuwait 2017 besuchten, stattete Erdogan im Mai, Juli und am 14. November dem Scheichtum einen Besuch ab, wodurch sich die Zahl der Treffen zwischen ihm und dem kuwaitischen Emir auf sechs in zwei Jahren erhöhte.

Bevor die Türkei und Katar in den letzten Jahren ihre Beziehungen auf eine strategische Ebene angehoben haben, war Kuwait der beste Freund der Türkei im Golf-Kooperationsrat (GCC). Die Allianzen verschieben sich wieder einmal. Ein kuwaitischer Diplomat kommentierte:

„Der gegenseitige Wunsch, die Beziehungen zwischen der Türkei und Kuwait zu vertiefen, war bereits vorhanden, aber die aktuellen regionalen Gegebenheiten trugen dazu bei, Licht ins Dunkel zu bringen. Politik, Wirtschaft und Verteidigung stehen immer auf der Tagesordnung der hochrangigen Treffen.“

Der namentlich nicht genannte Diplomat, der vor Jahren in der Türkei diente, teilte dem Autor mit:

„Ich glaube nicht, dass die umfangreichen Treffen zwischen den Beamten [der beiden Länder]notwendigerweise von der GCC-Krise abhängen. Doch die Krise hat dazu beigetragen, dass die Beziehungen an Dynamik gewonnen haben, denn Kuwait und die Türkei sind aktive Akteure in der Regionalpolitik und haben kein Interesse daran, sie zu verlängern.“

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Im Gegensatz zu einigen anderen GCC-Ländern war Kuwait eines der ersten Länder, das den Putschversuch vom Juli 2016 in der Türkei anprangerte. Im Gegenzug gehörte Ankara zu den ersten, die Kuwaits Vermittlungsbemühungen in der jüngsten GCC-Krise unterstützten.

Die Türkei und Kuwait erkannten die katastrophalen Auswirkungen der GCC-Turbulenzen und initiierten eine proaktive Diplomatie, um eine friedliche Lösung herbeizuführen. Ankara führte die Bemühungen an, die Krise einzudämmen und zu verhindern, dass sie eskaliert, indem es in den ersten Tagen nach ihrem Ausbruch eine Hintertürdiplomatie durchführte. Wenn es um die Bemühungen Kuwaits geht, hat der Emir in den letzten Monaten unerbittliche Pendeldiplomatie betrieben.

Obwohl es den beiden Ländern nicht gelungen ist, den Konflikt zu beenden, haben sie ihn doch daran gehindert, zu einer militärischen Konfrontation aufzusteigen. Die Blockade gegen Katar, die am 5. Juni von Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain verhängt wurde, hält an. Die unbeholfene und siedende GCC-Situation treibt Kuwait dazu, über die bröckelnde arabische Golf-Organisation hinaus nach Freunden zu schauen. Offensichtlich ist das ultimative Ziel eines solchen Schrittes, sich selbst zu schützen und auf seine traditionelle Politik der strategischen Absicherung zurückzugreifen.

„Kuwait kann Saudi-Arabien nicht so herausfordern wie einige andere Golfstaaten. Wir können uns aber auch nicht in allen Punkten einigen. Wir haben eine weit fortgeschrittene demokratische Erfahrung im Vergleich zu unseren Nachbarn“, sagte eine gut informierte kuwaitische Quelle, die mit dem Autor unter der Bedingung der Anonymität wegen der Sensibilität des Themas sprach.

„Ebenso wenig können wir jetzt unsere Politik mittels Iran absichern, aber verstärkte Beziehungen zur Türkei können uns helfen. Die große Ungewissheit [unter unseren Nachbarn]ist beängstigend; deshalb müssen wir uns auf unerwünschte Folgen vorbereiten“, fügte die Quelle hinzu und verwies auf die Warnung des kuwaitischen Emirs im letzten Monat vor dem Zusammenbruch des GCC.

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Über die GCC-Krise hinaus ist die Türkei vorrangig auf ihre Wirtschaft fokussiert, die immer sensibler und anfälliger für regionale Schocks wird. Die Regierung muss ihre Exporte steigern, mehr ausländische Investitionen anziehen, mehr Hartwährung erwerben und mehr externe Projekte für türkische Unternehmen sichern. Verstärkte Beziehungen zu einigen Golfstaaten, darunter Kuwait, können dazu beitragen, diese Ziele zu erreichen.

Die Türkei und Kuwait wollen ihr bilaterales Handelsvolumen bis 2020 von 542 Millionen US-Dollar in diesem Jahr auf 3 Milliarden US-Dollar steigern. Angesichts der kurzen Zeit, die uns noch bleibt, ist dies ein ehrgeiziges Ziel, aber beide Seiten haben ein beträchtliches Potenzial, wenn es ihnen gelingt, einige bürokratische Herausforderungen zu bewältigen, den Privatsektor zu ermutigen und sich auf ihre gemeinsamen Bedürfnisse zu konzentrieren. Die Idee, eine Industriehandelszone für den türkischen Privatsektor einzurichten, wurde bereits diskutiert, obwohl die Pläne noch nicht abgeschlossen sind.

Kuwait ist auch ein boomender Markt für türkische Bauunternehmen. Wie der türkische Entwicklungsminister Lütfi Elvan im vergangenen Jahr erklärte, entwickeln sich die wirtschaftlichen Beziehungen rasch und die türkischen Auftragnehmer führen derzeit Projekte im Wert von rund 6,3 Milliarden US-Dollar im Land durch. In diesem Jahr schätzt das türkische Foreign Economic Relations Board diese Zahl auf 6,6 Milliarden Dollar.

Einst als Perle des Golfs bezeichnet, hinkt Kuwait in der Wirtschaftsentwicklung hinterher. Doch laut dem Anfang 2017 veröffentlichten Nationalen Entwicklungsplan von Kuwait wird sich das ändern. Der ehrgeizige Plan sieht Investitionen in Höhe von mehreren zehn Milliarden US-Dollar für hochwertige Verbesserungen der Infrastruktur bis zum Jahr 2035 vor. Natürlich haben türkische Firmen den Löwenanteil dieser Investitionen im Auge und sind gut positioniert, um bei der schnellen Realisierung solcher Großprojekte behilflich zu sein.

Der Verteidigungssektor ist ein weiterer Bereich der Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern, der auf Interesse stoßt. Die Verteidigungsminister sind in diesem Jahr mehrmals zusammengekommen, um über die Intensivierung der militärischen Zusammenarbeit zu diskutieren. Im Oktober folgte ein Treffen zwischen den Generalstabsdelegationen.

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Nach Angaben des türkischen Botschafters in Kuwait hat Kuwait zuletzt Interesse an einer Zusammenarbeit bei der Pilotenausbildung bekundet. Darüber hinaus hat Ankara bereits 80 gepanzerte Mannschaftstransportwagen und 12 Wasserwerferfahrzeuge verkauft. Um seine Armee- und Waffensysteme zu modernisieren, möchte das ölreiche Kuwait in den nächsten zehn Jahren zehn Milliarden US-Dollar in seine Militärausgaben investiert.

Das kleine Scheichtum ist in letzter Zeit besonders daran interessiert, Panzer, Jets, Hubschrauber, gepanzerte Fahrzeuge und andere Verteidigungswaffensysteme aus dem Ausland zu kaufen. Dies kann eine gute Nachricht für die Türkei sein, da sie versucht, mehr ausländische Kunden für ihre nationale Verteidigungsindustrie zu gewinnen.

Der Artikel wurde zuerst beim Fachportal Al Monitor verfasst.



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