Türkei: Starkes Wirtschaftswachstum mit Problemen

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Die türkische Wirtschaft wuchs im dritten Quartal schneller als jede andere der 20 größten Volkswirtschaften der Welt. Dennoch gibt es zahlreiche Baustellen, an denen die Türkei arbeiten muss.

Das Bruttoinlandsprodukt wuchs in den drei Monaten bis zum 30. September um 11,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Ergebnis überraschte sogar Schätzungen einer Bloomberg-Studie, die bei 8,5 Prozent lag.

Besser als G20: Wirtschaft der Türkei wächst mit 11,1 Prozent

Die grundlegenden Daten zum Wachstum lauten: Die saisonbereinigte Produktion stieg im Vergleich zu den vorangegangenen drei Monaten um 1,2 Prozent und lag damit unter dem Mittelwert der Schätzung von 1,8 Prozent. Die Exporte stiegen im Berichtszeitraum um 17,2 Prozent gegenüber einem Rückgang von 9,2 Prozent im Vorjahr. Die Importe stiegen um 14,5 Prozent gegenüber 2,4 Prozent im Vorjahr. Die Konsumausgaben der inländischen Haushalte, die schätzungsweise fast zwei Drittel der Gesamtwirtschaft ausmachen, wuchsen im Vergleich zum Vorjahr um 11,7 Prozent.

Türkische Beamte sagten zuvor, dass das Land bis zum Jahresende ein jährliches Wirtschaftswachstum von sechs bis sieben Prozent erreichen wird. Die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtete, die Leistung im dritten Quartal steigerte das kumulierte Bruttoinlandsprodukt und erreichte 216 Milliarden US-Dollar. Das Bruttoinlandsprodukt kommt annualisiert auf 844 Milliarden US-Dollar, fügte das türkische Statistikamt TurkStat hinzu.

Das Finanznachrichtenportal Bloomberg vermutet, dass die Zentralbank angesichts des starken Binnenkonsums die Kreditkosten erhöhen könnte. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan stellt sich in der Regel gegen Leitzinserhöhungen.

Die Chefberaterin für Finanzfragen des türkischen Präsidenten, Hatice Karahan, betonte gegenüber Bloomberg, dass die türkische Zentralbank unabhängig ist und hinsichtlich der wachsenden Inflation handeln wird.

Alle Wirtschaftskenndaten wuchsen im dritten Quartal, von Löhnen bis zu Investitionen. Ankara stellte erfolgreich billige Kredite für Unternehmen zur Verfügung, um den Auswirkungen des gescheiterten Putschversuchs vom letzten Jahr auf die Wirtschaft entgegenzuwirken. Der Jahresvergleich mit dem dritten Quartal 2016 trug zu den starken Zahlen bei. Am 15. Juli 2016 fand der Putschversuch gegen die türkische Regierung statt, der die türkische Wirtschaft für Wochen lahmlegte.

„Obwohl die Wachstumsrate in den Schlagzeilen ein sehr positives Bild zeichnen, war die Zusammensetzung des Wachstums ein Faktor, der die Türkische Lira in den letzten Monaten untergraben hat“, gab der Finanzanalyst Inan Demir von Nomura International in London zu bedenken.

Der stellvertretende Premierminister Mehmet Simsek sagte am Montag, dass ein ausschließlich auf der Binnennachfrage basierendes Wirtschaftswachstum nicht nachhaltig ist und dass mehr Ausgewogenheit erforderlich ist.

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Das Wachstum im dritten Quartal „ist eine Ausnahmeerscheinung“, sagte er in einem Interview mit dem staatlichen Fernsehen TRT. „Sie basiert auf dem geringen Wachstum im dritten Quartal des Vorjahres. Die Türkei muss weitere Reformen durchführen, um ein nachhaltiges Wachstum von 5,5 bis 6,5 Prozent zu erreichen.“

Die Regulierungsbehörde wird eine Entscheidung auf der Grundlage des nationalen Interesses treffen, äußerte der türkische Wirtschaftsminister Zeybekci. Seiner Meinung nach ist der beste Weg zur Bekämpfung der explodierenden Inflation die Erhöhung der Produktion und nicht der Zinssätze.

„Geld sollte billig, reichlich vorhanden und leicht zugänglich sein“, sagte Zeybekci in einem Interview mit Bloomberg HT am Montag.



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