Türkei will Zollunion mit Russlands Eurasischen Wirtschaftsunion

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Inmitten eines Streits mit Deutschland über die Ausweitung der europäischen Zollunion hat die Türkei mit der Veröffentlichung von Plänen für ein weiteres Abkommen mit der Russland geführten Eurasischen Wirtschaftsunion unterstrichen, dass sie nicht alternativlos und abhängig von Europa ist.

Nach Aussagen der Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch, wonach die Zollunion mit der Türkei nicht modernisiert werden soll, kritisierte der türkische EU-Minister Ömer Celik diese Entscheidung scharf. Der türkische Wirtschaftsminister Nihat Zeybekci reagierte und gab bekannt, dass die Türkei noch immer eine Mitgliedschaft in der Eurasischen Wirtschaftsunion erwägt. In jedem Fall strebt Ankara eine Mitgliedschaft in der eurasischen Zollunion an, die von Russland angeführt wird.

Während der 85. Internationalen Messe Izmir (IFF) sagte Zeybekci, dass die Türkei nicht vom Abkommen über die Zollunion mit Europa nicht ausgeschlossen wurde, die 1996 eingeführt wurde. Er betonte allerdings, dass die Türkei zugleich auch Teil der eurasischen Zollunion sein möchte.

Der türkische Wirtschaftsminister teilte mit, dass Ankara gegenwärtig mit Russland an einem gemeinsamen Investitionsfonds arbeitet. Dieser soll noch dieses Jahr in Betrieb gehen. Hinzu kommt ein Freihandelsabkommen, dass Dienstleistungen und Investitionen zwischen Türkei und Russland umfasst. Das soll dieses Jahr oder in der ersten Hälfte des nächsten Jahres finalisiert werden.

Teil der Eurasischen Wirtschaftsunion sind Russland, Weißrussland, Armenien und die Turkstaaten Kasachstan, Kirgistan. Beim Waren- und Dienstleistungsaustausch zwischen den genannten Staaten werden keine Zölle erhoben.

Russischer Minister: Energiezusammenarbeit ist der Grundstein der türkisch-russischen Partnerschaft

Bei einer Rede anlässlich des Türkisch-Russischen Wirtschaftsforums in Izmir, an dem hochrangige Wirtschaftsbeamte aus 26 Staaten teilnahmen, sagte der russische Energieminister Alexander Novak, dass die Energiezusammenarbeit das Fundament für die türkisch-russische Zusammenareit ist. Er sagte:

„Es gibt gute Beispiele in dieser Hinsicht. Die Position von Russland und Türkei in der Weltökonomie wird stärker.“

Novak lobte das gemeinsame Erdgaspipelineprojekt Turkish Stream. Das Akkuyu Atomkraftwerk, das Russland mit einer Investitionssumme von 22 Milliarden US-Dollar in der Türkei baut, soll bis 2023 fertig errichtet werden. Weitere Projekte sind im Agrar-, Bau- und Tourismussektor auf dem Weg.

„Ich bin zuversichtlich, dass das zur Kooperation zwischen Russland und der Türkei beitragen wird. Beide Staaten überkamen schwierige Zeiten“, fügte Novak hinzu. Erdogans Russland-Besuch im März zitierend, betonte Novak, dass Russland und Türkei ein Handelsvolumen von 100 Milliarden US-Dollar anvisieren. Der russische Minister sagte, dass auch Moskau das zwischenstaatliche Abkommen über Dienstleistungen und Investitionen bis Ende des Jahres abschließen will.

Er wies außerdem darauf hin, dass sich beide Staaten auf ein Wirtschaftsforum in der Hauptstadt von Tatarstan, Kazan, einigten. Der türkische Wirtschaftsminister Zeybekci wird am Wirtschaftstreffen am 22. Oktober teilnehmen. Dort sollen Investitionen, Industriekooperation und solche zwischen Regionen diskutiert.

Für Novak tragen zwischenstaatliche Investitionen einen zentrale Bedeutung in den bilateralen Gesprächen. „Wir sehen, dass russische Unternehmen rund zehn Milliarden US-Dollar in die Türkei investiert haben. Die Investitionen von türkischen Partnern in die Russische Föderation sind mehr oder weniger die gleichen“, sagte er. Das Handelsvolumen beider Staaten stieg in der ersten Hälfte des Jahres um 28 Prozent, ergänzte der russische Energieminister.

 



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