Türkische Armee erhält indigenes Sturmgewehr MPT-76

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Die türkische Rüstungsindustrie liefert die ersten 500 heimisch hergestellten MPT-76-Sturmgewehre an die türkischen Streitkräfte aus. Für die türkische Rüstungsindustrie ist die Auslieferung ein Meilenstein und Grund für neue Rüstungsentwicklungen.

Türkische Truppen erhalten am Mittwoch die erste Lieferung von indigenen Sturmgewehren, teilte ein Vertreter des produzierenden Rüstungskonzerns MKEK am Dienstag mit.

Das MPT-76 wird das Standardgewehr G-3 in der türkischen Armee ersetzen, das vom deutschen Hersteller Heckler & Koch (HK) entwickelt wurde.

Wir erwarten, dass das Gewehr dem türkischen Staat eine große Menge Geld einsparen wird und ein Meilenstein für die weitere Entwicklung von anderen Waffensystemen ist, sagte ein Vertreter von MKEK.

Eurasia News sprach mit dem renommierten türkischen Rüstungsexperten Yusuf Akbaba über die Bedeutung des neuen selbstentwickelten Rüstungsproduktes im Inventar der türkischen Armee. Akbaba erklärte:

„Die Türkei benutzt das deutsche G-3 als Lizenzprodukt und verwendet es als Standardgewehr der TSK. Die deutsche Rüstungsschmiede Heckler & Koch erklärte seinerzeit, dass es der TSK keine Waffe mehr zur Verfügung stellen wird. Die Erklärung Österreichs im November 2015, die Türkei angesichts ihres Kampfes gegen die terroristische PKK unter ein Rüstungsembargo zu stellen, war der letzte Beweis für die Notwendigkeit, dass die Türkei auf eigene Kräfte setzen muss. Die Umstände zwingen die Türkei zu einem Mehr rüstungsindustrielle Unabhängigkeit.“

Auf die Frage hin, in welchem Ausmaß das neue Gewehr das altbewährte G-3 ersetzen soll, informierte der Rüstungsexperte:

„Wir haben es hier mit einem Gewehr zu tun, das ausschließlich für die türkische Armee konzipiert wurde. Die Armee möchte mindestens 500.000 MPT-76 ins Inventar aufnehmen.“

Nur wenige Armeen kämpfen heute noch mit Munition vom NATO-Kaliber 7,62 Millimeter. Akbaba skizzierte gegenüber Eurasia News, warum die TSK diese Munitionsgröße befürwortet:

„Andere NATO-Staaten in Europa sind nicht mit Konflikten konfrontiert, wie es die Türkei im Südosten des Landes zu führen hat. Sie setzen deshalb auf kleinere Kaliber. Die TSK forderte von der lokalen Rüstungsindustrie, dass eine Waffe mit diesem großen Kaliber entwickelt wird, weil der Schütze mit einem Schuss die Fähigkeit kriegen muss, direkt den Angreifer töten zu können. Die NATO-Munition eignet sich dafür besser, als Munition mit kleinerem Kaliber.“

Mit Blick auf das Export-Geschäft bemerkte der Militärexperte:

„Da das Gewehr MPT-76 zu hundert Prozent indigen ist, liegen die Patente für das System auch in der Türkei. Zwei Staaten interessieren sich für die Einführung des MPT-76. Aserbaidschan erhielt bereits Prototypen für den Test und benutzt das türkische Scharfschützengewehr Bora-12 in Serie. Pakistan benutzt ebenso das G-3 als Standardgewehr und möchte dieses wie die TSK ersetzen. MKEK schickte das MPT-76 nach Pakistan ins Rennen als neues Standardgewehr. Die Chancen stehen nicht schlecht.“

MKEK begann die Produktion des MPT-76 2015 in der zentralanatolischen Stadt Kirikkale. MPT bedeutet auf Türkisch „Nationales Infanteriegewehr“. Das Gewehr weist das Kaliber 7,62 Millimeter für NATO-Munition aus. Türkische Rüstungsexperten loben das neue Gewehr und beschreiben es mit folgendem Vergleich:

„Das MPT-76 ist effektiv wie das G-3, verlässlich wie die AK-47 und praktisch wie das M-16.“

Das Gewehr zeichnet sich durch eine effektive Schussreichweite von bis zu 600 Metern aus. Es kann 600 Schuss die Minute mit einer Mündungsgeschwindigkeit von 800 Metern die Sekunde abfeuern.

Neben dem G-3-Gewehr benutzt die türkische Armee auch Ak-47-Gewehre aus russischer Produktion. Die Einführung des MPT-76 ist Teil eines Programms zur Stärkung der heimischen Rüstungsindustrie und zur Minimierung der Abhängigkeit von ausländischen Unternehmen.

 

 



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1 Kommentar

  1. In türkischen Volksmund heißt es ein schlechter Nachbar macht einen zum Hausbesitzer. Einen schönen Dank an allen die der Türkei keine Militärische Mittel verkaufen möchten nur so kommt man auf die Idee selber was auf die Beine zu stellen.

Nehme dazu Stellung!