Türkische Armee erhält schwere Aufklärungsdrohne Anka-S für grenzübergreifende Operationen

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Die erste Auslieferung der schweren Aufklärungsdrohne Anka-S, die heimisch entwickelt wurde, ist für das laufende Jahr 2017 geplant. Das teilte das Verteidigungsministerium der Türkei mit. Eurasia News sprach mit Analysten und Experten über das neue Drohnensystem und dessen operationellen Mehrwert für die türkischen Streitkräfte im Kampf gegen PKK und andere asymmetrische Elemente.

Das staatlich gehaltene Luftfahrtunternehmen Turkish Aerospace Industries (TAI), das verschiedene Versionen der Anka-Drohne entwickelt, gab bekannt dass sechs Aufklärungsdrohnen vom Typ Anka-S an die türkischen Streitkräfte dieses Jahr übergeben werden. Weitere vier Systeme liefert TAI 2018 aus.

2013 unterschrieb TAI einen Vertrag mit dem militärischen Beschaffungsamt der Türkei, auch als Unsterstaatssekretariat für Rüstungsindustrie (SSM) bekannt, für die Entwicklung und Herstellung von 10 Anka-S-Sytemen.

Anka-S hat eine Tragleistung von 200 Kilogramm. Die Drohne erreicht eine maximale Flughöhe von über 9,100 Metern. Das türkische System wird mit Satelliten Kommunikation (SATCOM) und einer hochauflösenden Tag- und Nachtsicht-Kamera ausgerüstet, unklar noch ist, mit welchem genau.

Das staatliche türkische Nachrichtenportal TRT World thematisierte die Anka-Drohne in einer kurzen Reportage:

Eurasia News sprach mit dem türkischen Rüstungsexperten Turan Oguz über technische Details von Anka-S. Dieser informierte:

„Die ersten Anka-Modelle waren nur mit einer sehr limitierten Reichweite kontrollierbar. Satcom macht möglich, dass über den Satelliten TURKSAT 4B ein Gebiet zwischen Großbritannien und China umfasst werden kann, ohne die Kontrollstation am Boden berücksichtigen zu müssen. Mit einer Flugkapazität von bis zu 24 Stunden kann Anka-S in einem Flug ein Gebiet von 2.200 Quadratkilometer abdecken.“

„Anka-S wird mit einem FLIR-Zielsystem vom türkischen Rüstungsunternehmen ASELSAN vom Typ CATS oder einer elektro-optischen Infrarot-Kamera von Star Safire ausgerüstet. Die türkische Armee möchte insgesamt 10 Anka-S-Drohnen erwerben“, fügte Oguz hinzu, der regelmäßig in der türkischen Presse als Kolumnist für Rüstungsangelegenheiten beiträgt.

Der Beamte des türkischen Verteidigungsministeriums, Yusuf Akbaba, informierte Eurasia News über weitere Anstrengungen der türkischen Rüstungsindustrie zur Bewaffnung der Anka-Drohne:

„Das Anka-S-Modell wird nicht bewaffnet. Derzeit arbeitet TAI an einer weiteren Version der Anka-Drohne, auch Anka-B genannt. Diese Version wird mit einem SAR-System ausgerüstet. Die türkische Polizei möchte diese Version gerne ins Inventar aufnehmen. Diese Version oder die Anka-A-Drohne werden in den nächsten Jahren bewaffnet.“

Ein Synthetic Aperture Radar, kurz SAR, gehört zur Klasse der abbildenden Radare und wird als Sensor zur Fernerkundung genutzt. Es liefert eine zweidimensionale Darstellung eines Geländeausschnitts durch Abtastung der Erdoberfläche mit elektromagnetischen Wellen, allerdings mit einem sehr viel höheren Auflösungsvermögen.

Ein anderer Militärbeamte mit Sitz in Ankara, der anonym bleiben möchte, kommentierte über die militärische Bedeutung von Anka-S, dass es „strategischen Wert“ für die türkische Luftwaffe hat, insbesondere beim Kampf gegen die terroristisch-separatistische kurdische PKK-Organisation, die im Südosten der Türkei, dem benachbarten Irak und Syrien aktiv ist.

Anka-S startete erste Testflüge im letzten Quartal des Jahres 2016. Gegenwärtig durchläuft die Drohne einen Qualifizierungsprozess. Unterdessen entwickelt das türkische Luftfahrtunternehmen Turkish Aerospace Industries, kurz TAI, einen Flugsimulator für Anka-S.

Das türkische Beschaffungsamt, kurz SSM, erklärte im April 2015, dass es bewaffnete Drohnensyteme braucht, um die militärischen Geheimdienstfähigkeiten bei der asymmetrischen Kriegsführung gegen die PKK und die Terrormiliz „Islamischer Staat“ auszubauen. Das SSM teilte mit, dass es inzwischen auf Drohnenmodelle mit mittlerer Flughöhe und langem Durchhaltevermögen sowie mit hoher Flughöhe und langem Durchhaltevermögen im Inventar der türkischen Streitkräfte setzen kann.

Vergangenes Jahr erklärte der Vorsitzende des türkischen Beschaffungsamtes, Ismail Demir, dass die beste Methode zur Bekämpfung des radikalen Terrorismus die Überwachung von Regionen unter Kontrolle des „Islamischen Staates“ ist. Außerdem ist es notwendig, „die Kapazität zu haben, die Gefahr am Ursprungsort zu neutralisieren, wie zum Beispiel mit bewaffneten Drohnen“.

Vergangenes Jahr testete die Türkei erfolgreich die bewaffnete Drohne Bayraktar TB2, welche vom privaten Konsortium Kale-Baykar gebaut wurde, auf einem Testfeld in der zentralanatolischen Stadt Konya. Der Schuss erfolgte aus acht Kilometer Entfernung. Die Bayraktar-Drohne verwendet MAM-L und MAM-C intelligente Munition, die entwickelt und hergestellt wird vom staatlichen türkischen Raketenbauer Roketsan. Die Roketsan Mini-Bomben wiegen 22.5 Kilogramm mit einem Sprengkopf von zehn Kilogramm.

Der türkische Gastwissenschaftler Caglar Kurc vom Saltzman Institut für Kriegs- und Friedensstudien der US-amerikanischen Columbia Universität erklärte Eurasia News auf die Frage, inwieweit Anka-S den Antiterrorkampf der Türkei stärken könnte:

„Die Anka-Drohne wird definitiv die ISR-Fähigkeiten der türkischen Streitkräfte erhöhen. Wenn man Anka-S mit der Bayraktar TB2 vergleicht lässt sich daraus schließen, dass Anka-S eine höhere Traglast ausweist, die eine Integration von FLIR-, SAR- und SIGINT-Modulen in Aussicht stellt. Die effektive Operationsreichweite beträgt bei der Anka-S 200 Kilometer, während sie bei der Bayraktar TB2 150 Kilometer umfasst. Auch kann Anka-S länger in der Luft bleiben als ihr Gegenspieler.“

Mit Blick auf die operationellen Fähigkeiten von Anka-S kommentierte Kurc:

„Bei Operationen gegen die kurdische PKK haben beide Systeme einen nahezu ähnlichen operationellen Wert, insbesondere bei internen Sicherheitsoperationen, wo die Operationsreichweite irrelevant ist. Es gibt allerdings einen Unterschied.“

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„Wenn wir über Operationen reden, die über die türkischen Grenzen hinaus gehen, dann ist eine hohe Operationsreichweite ein wichtiger Faktor. Demnach ist eine SIGINT-Integration entscheidend. Umso größer die Operationsreichweite, desto niedriger ist der Bedarf für vorgeschobene Operationsbasen. Auf diese Weise könnte die türkische Armee tiefer im Zielgebiet operieren, ohne den Bedarf für die Errichtung einer Militärbasis entwickeln zu müssen. Diese Operationstiefe kann die Anka-Drohne im Gegensatz zu Bayraktar den türkischen Streitkräften liefern“, schloss der Militäranalyst mit Sitz in den USA ab.

 



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