Westen will wieder spalten: Türkei hält an Energiekooperation mit Russland und Aserbaidschan fest

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Die Türkei wird zum Energie-Drehkreuz für Europa. Russland und Aserbaidschan konkurrieren um Anteile. Für Ankara sind das zwei wichtige Projekte. Europa möchte mal wieder eine geopolitische Komponente entdeckt haben, um Russland zurückzudrängen. Moskau bleibt der Hauptpartner Ankaras. 

Die ersten Lieferungen von aserbaidschanischem Gas in die Türkei über die Trans Anatolische-Pipeline (TANAP) werden angeblich im Juni beginnen.

Defne Sadiklar-Arslan, Exekutivdirektorin und Vertreterin des Atlantic Councils in der Türkei, sagte im Gespräch mit New Europe am Rande des Athener Energieforums 2018:

„Dies ist ein Projekt, das wir sehr genau verfolgen, nicht nur, weil es für Europa und den südlichen Gaskorridor sehr wichtig ist, sondern auch für die Diversifizierung der Gasversorgung Europas“.

Sadiklar-Arslan fügte hinzu, dass das Projekt die „russische Abhängigkeit, die auch für die US-Politik wichtig ist, verringern wird“.

Die Vertreteren des pro-US-amerikanischen Think Tanks teilte New Europe mit, dass TANAP in Abstimmung mit der Trans Adriatischen-Pipeline (TAP) gebaut wird. Der Gasweg vom aserbaidschanischen Projekt Schah Deniz 2 nach Europa setzt sich aus der Südkaukasus-Pipeline, TANAP und TAP zusammen.

„In der Türkei ist die Koordination mit TAP intakt, weil TANAP nur darauf abzielt, Gas an die griechische Grenze zu bringen und den Rest TAP zu überlassen. Ohne diese wichtige Koordination wäre es nicht sinnvoll, da nur 6 Mrd. Kubikmeter von den 16 Mrd. Kubikmetern in der Türkei verbleiben werden, während die anderen 10 Mrd. Kubikmeter nach Europa gehen sollen. Ohne Koordination geht das nicht“, sagte Sadiklar-Arslan.

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Auf die Frage, ob die Gazprom-unterstützte Turkish Stream-Pipeline oder TurkStream, die darauf abzielt, russisches Gas in die Türkei und nach Europa zu liefern, die Abhängigkeit von russischem Gas erhöhen würde, stellte Sadiklar-Arslan fest, dass die Verringerung der Gasabhängigkeit von Russland „für Europa und die USA politisch wichtiger ist als die Türkei. Auf der einen Seite versucht die Türkei, ihre Ressourcen zu diversifizieren, während sie gleichzeitig mit Turkish Stream aufwartet. Ich betrachte es als Hebelinstrument in anderen Abkommen in der Region… in Energieverträgen und so weiter“.

TurkStream ist eine neue Export-Gaspipeline, die sich von Russland bis zur Türkei über das Schwarze Meer erstreckt. Der erste Strang der Pipeline ist für türkische Verbraucher bestimmt, der zweite Strang wird Gas nach Süd- und Südosteuropa liefern.

„Turkish Stream geht unter das Schwarze Meer und es gibt keinen Plan, überhaupt eine Verbindung zu TANAP herzustellen“, sagte Sadiklar-Arslan und wies gleichzeitig darauf hin, dass der erste Zweig der türkischen Stream-Pipeline, der für die Lieferung von russischem Gas in die Türkei bestimmt ist, Realität wird.

Pro-US-amerikanische und pro-EU-Analysten scheinen im geopolitischen Aufwind der Türkei und ihrer Kooperation mit Russland in diesen Fragen eine Gefahr zu sehen und deshalb bestrebt sein, Aserbaidschan gegen Russland auszuspielen. Nichtsdestotrotz ist TANAP nicht zu vergleichen mit dem russischen Projekt. Der Erfolg westlicher Spalterei bleibt fragwürdig, da Russland auf dem Balkan kein Interesse an einer Konfrontation mit Ankara hat, ebenso Ankara. Gazprom beabsichtigt, mit der neuen Gaspipeline die Transportwege zu diversifizieren, um damit die Abhängigkeit der Lieferanten und Käufer von den Transitländern Weißrussland, Polen, Ukraine, Slowakei und Österreich zu verringern, durch die derzeit Pipelines für russisches Erdgas nach Südeuropa verlaufen.

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Die Kapazität der vier Röhren von Turkish Stream wird bis zu 63 Milliarden m³ Gas pro Jahr betragen, wovon 47 Milliarden m³ Gas nach Ipsala an der türkisch-griechischen Grenze transportiert werden sollen.

Russland wird und bleibt ein Energieriese in Europa bleiben. Das versteht auch die Türkei und sucht deshalb die Koexistenz mit Russland, die auf einer Win-Win-Haltung basiert. Zeitgleich exportieren Ankara und Moskau ihr erfolgreiches Kooperationsmodell auf den Balkan, wo es zahlreiche Verbündete gibt, die momentan von der Europäischen Union umgarnt werden. Angesichts der forcierten Integrationsinitiativen der EU sind die Ängste in Brüssel real, die Türkei und Russland werden in den nächsten Jahren neuen geopolitischen Einfluss auf dem Balkan realisieren, den Westeuropa akzeptieren muss.



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